Steigende Bevölkerungszahlen in Städten führen zu Veränderungen von innerstädtischen Infra- und Grünraumstrukturen
Mittlerweile leben rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung in Städten – mit steigender Tendenz. Und auch Frankfurt wächst beständig. Die derzeit größten Bau- und Stadtentwicklungsprojekte sind das Europaviertel auf dem ehemaligen Hauptgüterbahnhof und des angrenzenden Rangierfeldes der Deutschen Bahn und das Planungsgebiet Riedberg im Nordwesten der Stadt. Diese neu entwickelte Siedlung und Standort der naturwissenschaftlichen Institute der Goethe-Universität, wurde vollständig auf fruchtbaren Ackerflächen und Streuobstwiesen errichtet, von denen nahezu nichts mehr vorhanden ist.
Mit diesen beiden Großprojekten sind zwei völlig neue Stadtviertel entstanden, inklusive eigener Infrastruktur mit Gewerbe- und Verkehrsflächen. Was haben diese städtebaulichen Entwicklungen mit Stadtnatur zu tun? Eine ganze Menge: Nicht nur wird im Zuge dieser Projekte Landschaft neu gestaltet und infrastrukturell stark verändert, wodurch wertvolle Biotope und gewachsene Kulturlandschaften verschwinden. Der Schwund dieser Flächen, die eine wichtige CO2-Senke sind und zur Filterung von Luftschadstoffen beitragen, wirkt sich direkt auf das städtische Mikroklima aus, das in Frankfurt insbesondere in den heißen Sommermonaten spürbar wird.
Lucky Lurch – Salamander schützen durch Habitatrenaturierung
Feuersalamander © Valentin Riess, pexels
Der Feuersalamander ist eine in Deutschland streng geschützte Art. Im Frankfurter Oberwald existieren noch bedeutsame Vorkommen, deren langfristige Sicherung und Förderung ein wichtiges Ziel des BUND Frankfurt ist. Daher sollen die Lebensraumbedingungen für den Feuersalamander im Frankfurter Oberwald gezielt verbessern werden.
Durch die Einbringung von Totholz in grabenartige Bäche entsteht mehr Strukturvielfalt, der Wasserabfluss wird verlangsamt und Larven erhalten bessere Überlebenschancen, auch in Trockenjahren. Zusätzlich sollen verbaute Bachabschnitte renaturiert und naturnahe Uferstrukturen wiederhergestellt werden. Öffentlichkeitsarbeit und Monitoring begleiten die Maßnahmen, um den nachhaltigen Schutz dieser Art zu sichern.
Eine lebendige und vielfältige Stadtnatur: Garant für ein gesundes Mikroklima und eine hohe biologische Vielfalt
Der Trauerschweber (Anthrax anthrax) fliegt von März-Juni. Seine Larven entwickeln sich als Parasiten in Wildbienennestern, die Fliegen saugen Nektar. Foto: BBoe
In ihrer ganz wesentlichen Funktion erlauben Biotope in der Stadt das Erleben von „Natur“ im unmittelbaren Wohnumfeld und sind so in Bezug auf die Umweltbildung eine wichtige Ergänzung zu der Erfahrung der großen naturnahen Lebensräume außerhalb der Städte. Für viele, insbesondere Kinder und Jugendliche, ist die Stadtnatur der erste und oftmals einzige Zugang zu Natur(erleben).
Natur- und Artenschutz in der Stadt bedeutet für uns als BUND daher nicht allein die Sicherung von Lebensräumen und den Erhalt des Naturhaushalts. Er dient auch der Bewahrung des unmittelbaren Naturerfahrungsraumes für alle Stadtbewohner. In unseren Projekten betreiben wir praktischen Natur- und Artenschutz zu Wasser (Amphibienschutz, Gewässerschutz), zu Lande (Blumenwiesenprojekt, Schwanheimer Dünen, Seckbacher Ried, Streuobstwiesen) und in der Luft (Wildbienen, Abenteuer Faltertage, Mauersegler-Initiative).