Kreisverband Frankfurt

Pressemitteilung: Löss, Boden des Jahres 2021, muss auch im Frankfurter Nordwesten vor Bebauung geschützt werden.

#Bodenschutz statt Bodenschmutz am Beispiel des Lachgrabenquartiers im Frankfurter Nordwesten. Protest gegen die Versiegelung wegen des Lachgraben-Quartiers im Frankfurter Nordwesten.  (BUND/ WR Hansen)

  • Der BUND Frankfurt fordert, auch auf kommunaler Ebene die Flächenversieglung proportional zu den Zielen der Bundesregierung drastisch zu senken.

  • Der BUND Frankfurt unterstützt die Aktion gegen Flächenversiegelung des BUND Rheinland-Pfalz zum Internationalen Tag des Bodens am 5. Dezember 2020.

Frankfurt, 01.12.2020 - Böden brauchen wir wie die Luft zum Atmen. Die um sich greifende Versiegelung setzt den Böden jedoch drastisch zu – eine Bedrohung für unser Leben und das zukünftiger Generationen. Landwirtschaft und Lebensräume für Flora und Fauna gehen verloren. Vermehrte Starkregen führen zu Überschwemmungen und Erosion. Die Zuführung zum Grundwasser wird reduziert, denn Regenwasser kann nicht mehr versickern.

Weil unsere Böden weltweit durch Versiegelung und andere menschliche Einflüsse so stark gefährdet sind, hat die Wissenschaftsvereinigung International Union of Soil Sciences (IUSS) in 1992 den internationalen Tag des Bodens ausgerufen, der jährlich am 5. Dezember stattfindet. Aus diesem Anlass lädt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) am 4.12.2020 zu einer Online-Festveranstaltung ein. Zum Boden des Jahres 2021 wurde der Löss gekürt. Lössboden bedeckt die Flur im Frankfurter Nordwesten und der Wetterau - einer der fruchtbarsten Böden in Deutschland mit einem Bodenwert 80 auf der 100er Skala. Auch diesen Böden droht an vielen Stellen die Versiegelung.

BUND-Aktion „Bodenschutz statt Betonschmutz“

Der BUND Frankfurt unterstützt aus diesem Anlass den Aufruf des BUND Rheinland-Pfalz an alle Bürgerinnen und Bürger, sich an der Foto-Aktion „Bodenschutz statt Betonschmutz“ zu beteiligen (www.bund-rlp.de und der Blog https://lumbricus.world). Damit verleiht der BUND Frankfurt seiner Forderung Nachdruck, den Flächenverbrauch in Hessen von derzeit 3,5 Hektar bis 2023 auf einen Hektar pro Tag zu senken. Der qualifizierten Innenentwicklung sowie der Revitalisierung und Umnutzung von Bestandsgebäuden muss deswegen Vorrang vor der Versiegelung von Freiflächen gegeben werden. Prognosen zur Einwohnerentwicklung in Städten und Gemeinden sind ernst zu nehmen und müssen sich in der Stadtplanung niederschlagen. Folglich sind in Frankfurt aktuelle Planungen wie die zum neuen Stadtteil im Nordwesten grundsätzlich zu überdenken. Auf Logistik- und Factory-Outlet-Zentren auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist zu verzichten.

Deutlicher Rückgang des Bevölkerungswachstums in Frankfurt

Anstatt des vom Frankfurter Stadtplanungsamt angenommenen Wachstums auf 850.000 Einwohner bis 2030 prognostiziert das aktuelle Gutachten des Hamburger Gewos-Institutes 781.500 Einwohner. Das entspricht nur 31 Prozent des Wachstums, auf dem die aktuelle Planung fußt. Die tatsächliche Einwohnerentwicklung in Frankfurt für die ersten drei Quartale zeigt nur einen Zuwachs von 300 Einwohnern – fast eine Stagnation.

In Deutschland werden täglich rund 56 Hektar Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen. Das entspricht einem Flächenverbrauch von ca. 79 Fußballfeldern. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie fordert, den Flächenverbrauch bis 2030 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Darüber hinaus will die Bundesregierung bis 2050 die „Netto-Null-Versiegelung“ erreichen - also Flächenkreislaufwirtschaft. Wie schlägt sich die Umsetzung dieser Ziele auf der kommunalen Ebene nieder?

Wir müssen den Wert des Bodens wieder schätzen lernen.

Wir müssen wertschätzen, welch reichhaltiges Leben unter unserer Erde pulsiert. In einem Kubikmeter gesunden Oberbodens leben mehr Organismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Wenn auf einer intakten Weide zwanzig Rinder grasen, die zehn bis fünfzehn Tonnen Lebendgewicht haben, dann sorgen in und unter der grünen Pflanzendecke gut 250 Tonnen Bodenorganismen – das 16- bis 25-fache gegenüber dem Gewicht der Rinder - dafür, dass Pflanzen, Rinder und Menschen auf der Oberfläche satt werden. (Florian Schwinn: Rettet den Boden, Westendverlag 2019.) Wenn Böden versiegelt werden, dann sterben diese Organismen unwiderruflich.

 

Hier können Sie die Pressemitteilung im PDF-Format downloaden.

 

Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen – Mitglied des Vorstands - BUND Kreisverband Frankfurt
Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt - ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de - M: 0171 2257 520
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