Kreisverband Frankfurt

Pressemitteilung zur Verkehrswende: Einer Studie zufolge führt die fahrradfreundliche Umgestaltung innerstädtischer Straßen zu Umsatzwachstum in anliegenden Geschäften

Auch für den Oeder Weg in Frankfurt bieten sich demzufolge für die Geschäfte gute Umsatzaussichten nach der Einrichtung einer eigenen Fahrradspur.

Hochstraße Frankfurt Neue Fahrradspur in der Hochstraße in Frankfurt  (Rüdiger Hansen)

Frankfurt, 09. März 2021  -  Der BUND Kreisverband Frankfurt begrüßt das Bemühen der Stadt Frankfurt mit Blick auf die Herausforderungen des Klimawandels und die beschlossene Verkehrswende, dem Radverkehr in der Stadt und seinen Verbindungen zum Umland zügig mehr Raum zu geben. Auch der Frankfurter Städtebaubeirat hat soeben die Stadt darin bestätigt, diesen Weg entschlossen weiter zu verfolgen: „Bei der Verwirklichung der Verkehrswende benötige die Kommune mehr Mut. Das Leitbild der autogerechten Stadt sei überholt, der Fuß- und Radverkehr benötige mehr Raum.“ (FAZ vom 5.3.2021).

Dementsprechend hat das Verkehrsdezernat in jüngerer Zeit u. a. die Friedberger Landstraße so umgestaltet, dass dem Kfz-Verkehr nur noch eine Fahrspur zur Verfügung steht. Die andere ist für Fahrräder reserviert. Nach gegenwärtigem Erfahrungsstand wurden infolge dessen zumindest keine größeren Verkehrsstörungen beobachtet.

Nun wurde eine vergleichbare Maßnahme auf der innerstädtischen Hochstraße durchgeführt und für den Oeder Weg wird ähnliches geplant. Die Veränderung auf der Hochstraße hat prompt den Protest der IHK Frankfurt bewirkt. Dies sei „ein gutes Beispiel für eine eindimensionale verkehrspolitische Maßnahme, die die Bedingungen für die Einzelhändler verschlechtert. Statt Kundenparkplätzen gibt es nun einen Radweg, der kaum genutzt wird“ (IHK-Pressemitteilung vom 04.03.2021). Das ist zu kurz gegriffen, denn die entfernten Parkplätze waren keine Kundenparkplätze sondern öffentlich und fast ununterbrochen belegt.

Wann kommt der Gesamtverkehrsplan?

Nachvollziehbar ist, dass so eine Radspur erstmal bekannt werden muss, ehe sich da mehr Radverkehr bildet. Andererseits ist vorhersehbar, dass sich einzelne Geschäfte über die Maßnahme beklagen - besonders angesichts der Feststellung der IHK, dass die Stadt darüber im Vorfeld „nicht ausreichend mit den betroffenen Unternehmen gesprochen“ hat. Der BUND Frankfurt drängt darauf, dass endlich ein Gesamtverkehrsplan unter Beteiligung aller Akteure erstellt wird. Wie schmerzhaft dieser Plan fehlt, hat jüngst auch die erfolglose Sperrung des nördlichen Mainufers gezeigt.

Beklagenswerter Zustand von Hauptwache und Konstablerwache: Wie lange noch?

Im Zuge der Umsetzung der Verkehrswende stellt die IHK korrekterweise fest, dass der Autoverkehr in die Stadt erschwert werde. (FAZ 06.03.21) Aber daraus zu folgern, dass das die kaufkräftige Kundschaft aus dem Hochtaunuskreis abschrecken könne, halten wir für sehr gewagt. Sicher ist es richtig, dass die U-Bahnstationen Konstablerwache und Hauptwache in einem verwahrlosten Zustand sind und so einen negativen Akzent für die Menschen setzen, die per U- oder S-Bahn in die Stadt kommen. Aber das sollte alle Akteure dazu veranlassen, positiven Druck auf die Stadtpolitik auszuüben, damit hier Zustand und Gestaltung verbessert werden – anstatt darauf zu drängen, den Menschen aus dem Umland weiterhin freie Fahrt mit Autos in die Stadt zuzusichern.

Höherer Umsatz durch Radfahrende wegen höherer Besuchshäufigkeit.

Wir halten es für eine reflexhafte Befürchtung der IHK, dass durch die Verkehrswende und die Umverteilung des Straßenraumes zugunsten von Radfahrenden kaufkräftiges Publikum abgeschreckt würde. Das zeigt auch die im Oktober 2019 abgeschlossene Erfurter Studie über Umsätze, die von Radfahrenden in verschiedenen Städten generiert wurden, so auch in Offenbach. Wir halten sie besonders übertragbar auf die Entwicklung des Oeder Wegs nach der geplanten radfreundlichen Umgestaltung. Verfasst wurde sie von der Fachhochschule Erfurt im Forschungsprojekt „Mit dem Rad zum Einkauf in die Innenstadt" (www.agfk-thueringen.de).

Die Studie ging auch der Frage nach, ob Radfahrer*innen für den Einzelhandel in der Innenstadt ein interessantes Potenzial darstellen. Demnach erzeugten mit dem Kfz anreisende Menschen einen Tagesumsatz von durchschnittlich 25 Euro, gefolgt von den mit Rad oder ÖPNV Anreisenden (21 Euro) und den Fußgänger*innen (18 Euro). Allerdings kamen Menschen zu Fuß 51 Mal pro Jahr ins Geschäft, per Rad 42 Mal, mit dem ÖPNV 40 Mal und per Kfz 29 Mal.

Die Erfurter Studie kommt so zu folgenden Jahresumsätzen pro Person: Kund*innen mit Anreise zu Fuß: 762 Euro; mit Bus oder Bahn: 598 Euro; per Rad: 569 Euro und per Kfz: 477 Euro.

Die Studie stellt fest: „Die These, dass radfahrende Kund*innen für den Einzelhandel ein interessantes Potenzial darstellen, kann bestätigt werden. Zwar weisen Radfahrende in der Erhebung keinen Spitzenwert bezüglich des Umsatzes pro Tag auf, zeigen jedoch eine relativ hohe Besuchshäufigkeit. Sie stehen damit bezüglich des Umsatzes vor den mit Kfz anreisenden Kund*innen.“

Diese Schlussfolgerung bestätigt Professor Dr. Martin Lanzendorf, Mobilitätsforscher an der GoetheUniversität Frankfurt. „Radfahrende sind sehr gute Kund*innen für den Einzelhandel. Sie sind kaufkräftig und erscheinen regelmäßig bis häufig in den Geschäften. Das ist in der Fachwelt wenig umstritten.“

Mehr Aufenthaltsqualität in den Städten nach Wegfall von Parkplätzen.

Auch das Deutsche Institut für Urbanistik verweist in seiner Veröffentlichung „Mit dem Fahrrad zum Einkaufen" (2011) darauf wie folgt: „Der Radverkehr befördert die Belebung der Stadtteilzentren und Innenstädte, er stärkt somit den dortigen Einzelhandel. Mehr Fahrrad- und weniger Pkw-Nutzung spart Platz für hohe Aufenthaltsqualität und trägt so zu einem attraktiven, anregenden Einkaufsumfeld bei.“

Über die Situation am Oeder Weg in Frankfurt sagt Lanzendorf: „Auch wenn durch den Wegfall von Straßenparkplätzen die Umsätze mit Kfz-Anreisenden zurückgingen, so würde dieses Defizit über das Umsatzplus durch Fahrradfahrende und Fußgänger*innen überkompensiert.“

Fazit:

Wolf-Rüdiger Hansen, Vorstandsmitglied beim BUND Frankfurt, resümiert: „IHK, Handwerkskammer und der lokale Einzelhandel sollten zuversichtlich und im Schulterschluss mit der Stadtpolitik und dem Verkehrsamt den Weg zur Verkehrswende vorantreiben und mitgestalten. Zum Wohle unserer Stadt.“

Pressemitteilung als PDF

Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen – Mitglied des Vorstands - BUND Kreisverband Frankfurt Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt - ruediger.hansen@bund-frankfurt.de - M: 0171 2257 520 geschaeftsstelle@bund-frankfurt.de - T: 069 979 489 68 - www.bund-frankfurt.de