Umweltbildung im BUND Frankfurt
Umweltbildung ist ein sehr wichtiger und zentraler Baustein in der Arbeit des BUND Frankfurt. Mit unseren Umweltbildungsangeboten wollen wir Interessierte in allen Altersgruppen ansprechen.
Mit unserem Jahresprogramm laden wir jedes Jahr alle interessierten Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder zu unseren Führungen, Aktionen, Vorträgen und Exkursionen ein. Ob Tümpeln mit der ganzen Familie, eine Fahrradexkursion zu einem wertvollen Naturraum im weiteren Rhein-Main-Gebiet oder der Baumschnittkurs für Hobby-Gärtner - das Programm ist jedes Jahr vielfältig und wird ganz überwiegend von unseren fachkundigen Aktiven zusammengestellt und durchgeführt. Bei den meisten Veranstaltungen ist die Teilnahme übrigens kostenfrei.
Das Programm bieten wir allen Interessierten als download-Version an. Wir freuen uns, Sie und Euch bei einer unserer nächsten Veranstaltungen begrüßen zu dürfen!
Der Urselbach: Quelle der Erholung mit schmerzhaften Belastungen
Wasser-Tutorial am Bach mit Prof. Dr. Jörg Oehlmann – Bild: © WRHansen
Der Urselbach ist einer von acht Frankfurter Bächen, die in die Nidda münden und deren Quellen am Taunushang liegen. Er entspringt in 600 Meter Höhe unterhalb des Feldbergs, fließt 13 Kilometer weit auf Oberurseler Flur und gelangt an der Krebsmühle, neben der auch die Oberurseler Kläranlage liegt, auf Frankfurter Gebiet. Weiter fließt er auf der Frankfurter Flur durch Niederursel und das Mertonviertel bis zur Mündung in die Nidda in Heddernheim. Diesen Frankfurter Abschnitt sind wir mit einer Gruppe von 21 Teilnehmer:innen gelaufen.
Besonderer Höhepunkt war das Gespräch mit Dr. Jörg Oehlmann, Professor für Aquatische Ökotoxikologie an der Goethe-Universität, der uns die Belastungen des Bachwassers erläuterte – z. B. durch die Oberurseler Kläranlage, das Mischkanalsystem der Stadt Oberursel und die Abwässer der Autobahn A5, die unter der Oberurseler Brücke in den Bach fließen.
Die Umgebung des Urselbachs weist viele landschaftlich reizvolle Merkmale auf, die sie zu einem beliebten Erholungsgebiet für die Stadtgesellschaft machen. Jedoch stößt man vom ersten Moment an auf starke industrielle Einflüsse an den Seiten des Baches, die im 15. Jahrhundert mit dem Bau von Mühlen begannen. Die Wasserkraft wurde damals schon nicht nur für das Mehlmahlen genutzt, sondern auch für den Betrieb von Kupfer- und Sensenhämmern, die Herstellung von Pappe, Papier, Leder und Öl sowie für die 1891 gegründete Oberurseler Motorenfabrik, die heute zu den Rolls-Royce Werken gehört. Insgesamt gab es hier 42 Mühlen, von denen nur noch wenige Bauten bestehen. Damals war das ein richtiges Industriegebiet.
Von der Oberurseler Hohemark verläuft der 11 km lange Mühlenweg mit zahlreichen Hinweistafeln, der auf der Frankfurter Flur mit dieser Bachwanderung identisch ist. An der Sandelmühle, an der wir gestartet sind, wurden wir sofort mit der industriellen Vergangenheit des Urselbachs konfrontiert, nämlich mit der mächtigen Abraumhalde (Grundfläche acht Hektar), einem Überbleibsel der VDM Vereinigte Deutsche Metallwerke, einst weltweit größter Hersteller von Produkten aus Nichteisenmetallen. In den 1960er Jahren setzte ihr Niedergang ein, bis sie schließlich geschlossen wurden. Die kontaminierte Erde wurde bis zu 10 Meter Tiefe abgetragen und auf der Halde gelagert. Auf der sanierten Fläche wurde dann das Mertonviertel entwickelt, direkt angrenzend an die mit Büschen und Bäumen bestandene Urselbachaue.
An der Nidda-Mündung des Urselbachs wird gerade ein Umgehungsgraben um das Eschersheimer Wehr gebaut, um Durchgängigkeit für Fische herzustellen – eine Rehabilitationsmaßnahme für die Nidda, finanziert von der Deutschen Bahn als Ausgleich für die Flächeninanspruchnahme für die S6-Trassenerweiterung, die von Frankfurt nach Friedberg entlang der Nidda verläuft. Beim Ausschachten des Grabens fanden sich jedoch Kontaminationen mit Schwermetallen aus der VDM-Zeit im Boden, die beseitigt werden müssen. Leider hat das zum Stillstand der Baustelle geführt. Gleichwohl soll die Baumaßnahme bis Ende 2026 fertiggestellt werden. Dann kann auch der Niddauferweg wieder durchgängig genutzt werden. Zunächst müssen jedoch 3.000 Tonnen belasteter Erde abgetragen werden.
Urselbach-Mündung Bild: © WRHansen
Weiter am Urselbach:
Am Rand des Merton-Viertels führte uns der Weg durch beschauliche Auengebiete zum Hundertwasser-Kindergarten mit seinen goldenen Zwiebeltürmen. Eine tolle Erinnerung an den großen österreichischen Farbenkünstler. Auf dem weiteren Weg gelangten wir auf die große Wiese nahe der Tabakmühle, die sich mit einem Dach voller Gauben präsentiert, die der Belüftung des Dachbodens zum Trocknen von Tabak dienten. Ein stiller Ort, der von den Wohnquartieren durch Bäume und Büsche abgeschirmt ist.
Ein lauschiger Pfad am Bach entlang führte uns zu den alten Niederurseler Fachwerkhäusern. Wir schauten in einen alten Gevierthof hinein und auf ein jüngst mit Lehmziegeln erneuertes Fachwerkhaus, das im Jahr 2024 den Architekturpreis der Hessischen Landesregierung für „Wohnen im Denkmal“ gewonnen hat. Mitten zwischen den alten Häusern die Gustav-Adolf-Kirche mit oktogonalem Grundriss und Zeltdach, erbaut 1928, ebenso wie die Großmarkthalle im Frankfurter Osten entworfen vom Architekten Martin Elsaesser. Weiter ging es über eine lauschig umwaldete Brücke über der „Urselbachschlucht“ zur Schilasmühle, einem Gevierthof, in dem ein Naturpädagogisches Zentrum untergebracht ist. Leider konnten wir nur über den Zaun auf das Gelände schauen, weil gerade Betriebsferien waren.
In der Bachaue auf dem Weg in Richtung Kläranlage trafen wir schließlich Professor Jörg Oehlmann, der uns ein kurzes Tutorial zum Bach gab. Er klärte darüber auf, dass das Bachwasser an dieser Stelle zu geschätzten 80 Prozent aus gereinigtem Wasser der Kläranlage besteht, was an Bachläufen üblich ist, die unterhalb von Kläranlegen liegen. Weiterhin sind in solchen Bächen Spurenstoffe enthalten, die von herkömmlichen Kläranlagen nicht ausgefiltert werden. Dafür braucht es eine vierte Reinigungsstufe, die in Hessen derzeit nur in Mörfelden-Walldorf, Bickenbach und bei dem Pharma-Unternehmen Merck in Darmstadt in Betrieb ist.
Ein besonderes Augenmerk legte Professor Oehlmann auf die Niederschlagswässer, die von der Autobahn kommend unter der Brücke in Retentionsmulden fließen. Dort werden sie zunächst von einer Mauer zurückgehalten, damit sich Schwebstoffe ablagern. Alle anderen Kontaminationen – z. B. der Reifenabrieb - fließen jedoch über die Mauer hinweg direkt in den Bach und gefährden dort aquatische Lebewesen - ein Zustand, mit dem man als Bürger:in nicht einverstanden sein kann, auch wenn das allgemeine Praxis ist. Genauere Informationen zu solchen Kontaminationen werden wir in einem speziellen Bericht veröffentlichen.
Mit den vielfältigen Naturerlebnissen und den Informationen über die Belastungen der Böden und des Bachwassers war die Wandergruppe sehr zufrieden. Niemand verlies die Gruppe vorzeitig. Der BUND Frankfurt wird diesen Veranstaltungstyp im Frühsommer 2027 mit der Klimawanderung, der Bachwanderung und der Apfelwanderung fortsetzen. Über eine entsprechende Nidda-Wanderung denken wir gerade nach.
Die Apfelwanderung, die wir gemeinsam mit dem NABU Frankfurt von Bonames zum Bio-Obsthof Schneider in Niedererlenbach durchführen, findet in 2026 noch einmal statt:
Am 01.08.2026 um 14:00 Uhr. Anmeldung bitte wie üblich bei https://www.boell-hessen.de/
Verfasst von Wolf-Rüdiger Hansen, BUND Kreisverband Frankfurt.
BUND Kinder- und Jugendgruppen
Speziell für Kinder gibt es in mehreren Stadtteilen BUND-Kindergruppen. Sie sind wichtige Treffpunkte für umweltinteressierte Kinder. In der regelmäßigen gemeinsamen Zeit wollen unsere Kindergruppen-Leiter*innen bei den Kindern bedeutsame Grundsteine für Naturverbundheit und Naturverständnis legen. Denn was Kinder kennen und schätzen lernen, bleibt ihnen meist auch in ihrem späteren Leben ein großer Schatz.
Unsere Infostände stehen meist unter einem konkreten Motto - eine gute Möglichkeit für uns, Themen mal ganz neu anzugehen und z.B. Materialien dazu zu konzipieren. Diese stellen wir ihnen - soweit möglich - als pdf-Dokumente zum Download zur Verfügung.
Aktive Mitarbeit im BUND ist ebenfalls eine Möglichkeit der Umweltbildung. Learning by doing ist dabei eine wichtige Methode - denn jeder Fachmann und jede Fachfrau hat irgendwann mal angefangen, sich mit seinem bzw. ihrem Interessenschwerpunkt zu beschäftigen. Wir möchten Sie ermutigen sich beim BUND Frankfurt zu engagieren. Wir beraten Sie gern, damit Sie ein für sich passendes Betätigungsfeld finden. Wir vermitteln auch Ansprechpartner*innen bzw. helfen dabei geeignete Fortbildungsseminare zu finden, z.B. bei Umweltbildungseinrichtungen in der Region wie der Naturschutz-Akademie in Wetzlar oder dem Naturschutzzentrum Weilbacher Kiesgruben.
Empfehlen möchten wir außerdem die Angebote der BUNDjugend Hessen, die ihr Büro in der BUND-Landesgeschäftsstelle in Frankfurt-Sachsenhausen hat.