Kreisverband Frankfurt

Pressemeldung: U4-Lückenschluss in Frankfurt

Sind € 78 Millionen Mehrkosten für den Gleisumweg über den Uni-Campus Westend zu rechtfertigen? Wir meinen: Nein.

BUND_Karte_U4-Lückenschluss U4-Lückenschluss zwischen Ffm-Bornheim und Ginnheim: U4-Tunnel-Varianten und die vom BUND vorgeschlagenen Straßenbahn über den Reuterweg – Kartengrundlage: geoinfo.frankfurt.de / Ergänzungen vom BUND  (WRH)

  • Mit dem Bau der kürzeren Gleisvariante könnte das eingesparte Budget in die Wiederbelebung der Straßenbahn vom Campus über den Reuterweg zum Hauptbahnhof umgelenkt werden.  

  • Für die Wirtschaftlichkeitsanalyse muss jeder Indikator betrachtet werden: „Nutzen-Kosten-Indikator“, „generierte ÖPNV-Fahrten/Tag“ und „Veränderungen der Personenfahrten“.

  • Ausführlich begründeter Forderungskatalog des BUND Frankfurt abrufbar auf www.bund-frankfurt.de

Frankfurt, 17.02.2021. Der BUND Kreisverband Frankfurt befürwortet die vom Magistrat der Stadt Frankfurt vorangetriebene Umsetzung des U-Bahn-Lückenschlusses der D-Strecke zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim. Für den Norden der Stadt, den Uni-Campus Riedberg, die Bundesbank und den Uni Campus Westend stellte diese neue Verbindung zum Hauptbahnhof eine signifikante Verbesserung des ÖPNV-Angebotes dar. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling präsentierte in der Pressekonferenz am 09.02.2021 die Ergebnisse der Untersuchung der Gleisvarianten unter verkehrlichen und wirtschaftlichen Aspekten. Alle Varianten weisen demzufolge einen Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) zwischen 1,5 und 3,2 auf und sind damit förderungswürdig.

Wir halten es jedoch für voreilig, dass sich Oesterling sofort mit großem Nachdruck für die Variante 3 – Kosten: € 240 Millionen - mit dem 2,5 Kilometer langen kurvigen Tunnel zum Campus Westend und der Station Adorno-Platz ausspricht. Die ziemlich geradlinige und um 1,5 Kilometer kürzere Tunnelvariante 1a kostete nämlich nur € 162 Millionen – einschließlich einer Station am Botanischen Garten, die ca. 500 Meter fußläufig vom Campus entfernt läge. Diese Variante würde € 78 Millionen weniger kosten - ein beachtliches Argument, selbst wenn man davon ausgeht, dass Bund und Land 90 % der Kosten finanzieren würden. Weiterhin würde der kürzere Tunnel einen entsprechend geringeren Betoneinsatz erfordern, was der Klimabilanz der Stadt zugutekäme.

Die Mehrzahl der Indikatoren spricht für die kurze Tunnelvariante

Der Kosten-Nutzen-Indikator beträgt 2,0 für die lange Tunnelvariante 3 sowie 3,1 für die kurze Variante 1a - also 55 % zugunsten der kurzen Variante. Der Indikator „generierte ÖPNV-Fahrten“ beträgt 17.000 für Variante 3 und 15.900 für Variante 1a - also 1.100 mehr generierte ÖPNV-Fahrten für den langen Tunnel. Das ergibt die Frage: Wäre es verhältnismäßig, für 1.100 zusätzliche ÖPNV-Fahrten auf der Uni-Campus-Linie € 78 Millionen Mehrkosten in Kauf zu nehmen?

Der Indikator „Personenfahrten an Werktagen in Veränderungen zum Ohnefall“ (also ohne U-Bahn-Lückenschluss) verstärkt die Tendenz zu Gunsten der kurzen Tunnellinie 1a:

a. Verkehr in den Frankfurter Norden: Nördlich der Station Botanischer Garten werden 4 % mehr Fahrten bei der Variante 1a erwartet als nördlich des Adorno-Platzes bei Variante 3. Demzufolge würden mehr Fahrgäste von und zum Norden - einschließlich Bundesbank - die kürzere Variante 1a zum Hauptbahnhof wählen als die längere Variante 3 über den Campus.

b. Für die Entlastung der A-Strecke durch den U4-Lückenschluss werden 29.400 weniger Personenfahrten bei Variante 1a und 32.300 weniger bei Variante 3 erwartet. Die Gesamtzahl der Fahrten würde von heute ca.130.000 auf ca. 100.000 abfallen. Der Unterschied zwischen beiden Varianten läge also bei unter 3 % und wäre damit vernachlässigbar.

c. Mehrfahrten pro Tag zum/vom Uni-Campus Westend werden mit 3.900 für Variante 1a und mit 10.600 für Variante 3 angegeben. Variante 3 läge also 2,5-fach im Plus. Das ist vorhersehbar. Aber ein Teil dieser Fahrgäste würde sicher die vom BUND vorgeschlagene neue Straßenbahn zum Hauptbahnhof wählen, zumal sie damit alternativ bereits an der Taunusanlage in die SBahnen umsteigen und so ihre Gesamtfahrzeit weiter verringern könnten.

Zusammengefasst folgt aus den Indikatoren unseres Erachtens keine Rechtfertigung der Mehrkosten von € 78 Millionen für die Realisierung der Variante 3. Im Gegenteil: Die mit einem um 55 % höheren NKI verbundene kurze Variante 1a weist so starke wirtschaftliche Vorteile auf, dass ihr zusammen mit der wiederzubelebenden Straßenbahn im weiteren Entscheidungsgang der Vorzug zu geben ist.

Wiederbelebung der Reuterweg-Straßenbahn mit Hilfe der eingesparten Tunnelkosten

Im Frankfurter Nahverkehrsplan 2025+ steht auf Seite 27: „Der ÖPNV muss seine Marktanteile am gesamten Verkehrsmarkt zulasten des MIV ausbauen.“ Weiterhin: Für die Baukosten eines Kilometers U-Bahntunnel könne man im Schnitt ganze 15 Kilometer Straßenbahnstrecken errichten. Im Einklang damit fordert der BUND Frankfurt, für den U4-Lückenschluss die kurze Variante 1a zu wählen und das eingesparte Budget für die Wiederbelebung der Straßenbahnlinie – ehemalige Linie 13 - vom Uni-Campus Westend über den Reuterweg und die S-Bahnstation Taunusanlage zum Hauptbahnhof zu verwenden – mit einer Gleisstrecke von ca. 3 Kilometern.

Neben einem zusätzlichen ÖPNV-Angebot für den Uni-Campus stellte diese Straßenbahnlinie eine neue Tangentiallinie entlang des Reuterwegs dar, die eine weitere Entlastung des bestehenden Netzes bewirkte und zwei Stadtgebiete neu anbände: die Hochhäuser in der östlichen Mainzer Straße und das nördliche Westend mit dem Nahversorgungsstandort Grüneburgweg. Diese Linie sollte schnellstmöglich in den Frankfurter Nahverkehrsplan aufgenommen und in die Berechnung der Wirtschaftlichkeit des U4-Lückenschlusses einbezogen werden.

Schutz der Grünanlagen darf nicht vernachlässigt werden.

Auch aus ökologischer Sicht ist es nicht verständlich, dass der Stadtplanungsdezernent die Variante 3 so einseitig präferiert. Die Grundwasseruntersuchung in den Parks und die Baumschutzuntersuchung der Umweltdezernentin Rosemarie Heilig wurden offenbar gerade erst in Auftrag gegeben. Erst wenn deren Ergebnisse in eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung eingebracht werden, kann über die ökologisch unbedenkliche Festlegung einer Gleisvariante entschieden werden.

Pressemeldung zum U4-Lückenschluss: PDF
Forderungskatalog zum U4-Lückenschluss Version 2.1. vom 01.02.2021 (10 Seiten).
Jetzt mit einer Tabelle der Wirtschaftlichkeitsindikatoren auf Seite 10: PDF

Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen – Mitglied des Vorstands - BUND Kreisverband Frankfurt Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt - ruediger.hansen@bund-frankfurt.de - M: 0171 2257 520 geschaeftsstelle@bund-frankfurt.de - T: 069 979 489 68 - www.bund-frankfurt.de


 

Pressemeldung: Straßenbahn statt U-Bahn-Tunnel zum Uni-Campus Westend

Der BUND Frankfurt ist gegen einen Tunnel unter dem Palmengarten, sowie dem Grüneburgpark und fordert die Wiederbelebung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Uni-Campus Westend.

Gefährdete Bäume im Grüneburgpark. Gefährdete Bäume im Grüneburgpark.  (K.W. / BUND Frankfurt)

  • Der BUND Frankfurt ist gegen einen Tunnel unter dem Palmengarten und dem Grüneburgpark, weil dies unkalkulierbare Risiken für Grundwasser und Vegetation nach sich ziehen würde.

  • Der BUND Frankfurt fordert – auch im Sinne der Verkehrswende - die Wiederbelebung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Uni-Campus Westend über Mainzer Landstraße und Reuterweg, die durch die Einsparung von Tunnelstrecke finanziert werden könnte.

Der Frankfurter Universitätscampus Westend muss deutlich besser an den ÖPNV angebunden werden. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling will dies mit einer U-Bahnstation auf dem zentralen Theodor-W.-Adorno-Platz realisieren. Das soll im Rahmen des ohnehin geplanten Lückenschlusses der U-Bahnlinie 4 über die Bockenheimer Warte hinaus nach Ginnheim erfolgen. Diese U-Bahnstation würde bedingen, dass die Strecke von der Bockenheimer Warte aus in einer engen S- Kurve unter dem Palmengarten und dem Grüneburgpark hindurch geführt werden müsste. Das würde zu einer unkalkulierbaren Beeinträchtigung der Grundwasserströme führen und die Bäume in Palmengarten und Grüneburgpark langfristig massiv schädigen. Diese Risiken müssen vermieden werden.

Palmengarten und Grüneburgpark sind die grüne Lunge des Westends. Der Palmengarten feiert im kommenden Jahr sein 150-jähriges Bestehen.

Rote und grüne Linie kostenmäßig und ökologisch nicht vertretbar

Seit dem letzten Winter werden für den U4-Lückenschluss zehn Gleisvarianten diskutiert. Drei Varianten, abgebildet in der FAZ vom 24.11.2020 als blaue, rote und grüne Linien, sind die Favoriten. Die rote und grüne Linie enthalten die U-Bahnstation auf dem zentralen Adorno-Platz auf dem Campus Westend. Sie hätte den Charme, dass Studierende gleichsam von der U-Bahn in den Hörsaal und zurück springen könnten. Die von den Frankfurter Grünen ins Gespräch gebrachte grüne Linie erscheint wenig aussichtsreich, weil sie einen kostenträchtigen Umbau der Station Bockenheimer Warte erfordern würde, um dort einen Knick in der Linienführung zu vermeiden.

Die rote Linie würde den Tunnel mit S-Kurve unter Palmengarten und Grüneburgpark erfordern und wegen des ansteigenden Geländes eine deutliche Höhendifferenz bewältigen müssen. Erschwerend käme hinzu, dass die U4-Schienen an der Bockenheimer Warte mehr als 20 Meter unter der Straße liegen. Dadurch würde der Steigungswinkel dieses achterbahnähnlich bergauf führenden Tunnels deutlich größer als der Winkel des Geländes. Grundwasserspiegel und -ströme sowie unkalkulierbare negative Auswirkungen auf die Vegetation über dem Tunnel wären die Folge.

Die komplementäre Lösung: Blaue Linie und Straßenbahn

Die blaue Strecke würde an Zeppelinallee und Miquelallee entlang geradlinig weiter zur Rosa-Luxemburgstraße verlaufen. Sie wäre einen Kilometer kürzer als die rote und würde mehr als einen Kilometer Tunnelstrecke einsparen, denn sie verliefe vom Botanischen Garten an offen. Schäden für das Grundwasser würden so vermieden. Andererseits würden hier Bäume beseitigt werden müssen. Nach Abwägung der Gefahren der Tunnelvariante für Grundwasser und Baumbestand scheint dies aber ein ökologisch vertretbarer Kompromiss zu sein.

Die mit der blauen gegenüber der roten Strecke eingesparten Tunnelkosten könnten zur Investition in die Wiederbelebung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof über die Mainzer Landstraße und den Reuterweg zum Campus Westend umgelenkt werden.

Mit dem Budget für einen Kilometer U-Bahntunnel können 10 bis 25 Kilometer Straßenbahngleise gebaut werden. Die Straßenbahn vom Hauptbahnhof bis zum Campus Westend müsste aber nur drei Kilometer weit fahren. Demzufolge würde das eingesparte Tunnelgeld reichen, um die Kosten für die Straßenbahngleise zu decken.

Am Botanischen Garten könnte eine U4-Bahnstation gebaut werden, die ungefähr 500 Meter westlich des Campus Westend läge, eine Distanz, die die Studierenden zu Fuß gehen müssten. Das finden wir zumutbar. Damit läge der Uni-Campus im Zentrum der drei U-Bahnstationen Holzhausenstraße, Miquelallee und Botanischer Garten sowie in unmittelbarer Nähe der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und mehrerer Buslinien.

Beiträge zur Verkehrswende mit der Straßenbahn

Die Straßenbahn hätte weitere Vorteile für den ÖPNV-Anschluss von Studierenden und Bürgern. So ergäben sich neue Umsteigepunkte in die U6/7 an der Alten Oper und in die S-Bahn an der Taunusanlage sowie eine bessere Anbindung für die östliche Mainzer Landstraße. Weiterhin würde die Straßenbahn Buskapazitäten überflüssig machen.

Alles nachhaltige Beiträge zur Verkehrswende.

Hier können Sie die Pressemitteilung Downloaden.

Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen – BUND Kreisverband Frankfurt - Mitglied des Vorstands
Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt - ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de - M: 0171 2257 520
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