Kreisverband Frankfurt

BUND-Umfrage zu Natur- und Umweltschutz

07. Januar 2021 | BUND, Bundestagswahl, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Naturschutz

Berlin. Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr – viele Menschen nehmen sich zum Jahreswechsel etwas für die Zukunft vor. Mit Blick auf das Bundestagswahljahr 2021 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nachgefragt: Wie groß ist der Veränderungswille in der Bevölkerung angesichts von Klimakrise, Artensterben und Umweltverschmutzung und was erwarten Bürgerinnen und Bürger von der Politik?

Berlin. Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr – viele Menschen nehmen sich zum Jahreswechsel etwas für die Zukunft vor. Mit Blick auf das Bundestagswahljahr 2021 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nachgefragt: Wie groß ist der Veränderungswille in der Bevölkerung angesichts von Klimakrise, Artensterben und Umweltverschmutzung und was erwarten Bürgerinnen und Bürger von der Politik? Das Ergebnis der vom BUND in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage des Instituts Kantar: Eine große Mehrheit im Land ist zu deutlichen Änderungen ihrer Lebensweise bereit. Die Politik soll handeln.

86 Prozent der Deutschen sind demnach zu deutlichen Einschränkungen ihres Lebensstils bereit, um das Klima zu schützen. Rund 85 Prozent würden dies tun, um das Artensterben zu stoppen, und 87 Prozent für den Kampf gegen die Umweltverschmutzung. Die Zustimmung ist in allen drei Bereichen sehr hoch, wobei jüngere eine noch größere Bereitschaft zur Änderung des Lebensstils bekunden als ältere Menschen. Frauen können sich Einschränkungen eher vorstellen als Männer. Befragt wurden im Zeitraum vom 15. bis 17. Dezember insgesamt 1014 repräsentativ ausgewählte Deutsche. Klimaschutz, Ressourcenwende und der Erhalt der biologischen Vielfalt müssen 2021 ganz oben auf der politischen Agenda stehen, fordert der BUND. Denn ohne eine Kehrtwende in den Produktionsweisen und im Konsumverhalten droht ein ökologischer Kollaps.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „2020 hat der Menschheit auf dramatische Weise ihre Verwundbarkeit vor Augen geführt. Klima- und Biodiversitätskrise, Umweltzerstörung und die Übernutzung unserer Ressourcen sind noch weit größere Bedrohungen unserer Existenz als die folgenschwere Corona-Pandemie. Mit unserem Lebensstil und unserer Wirtschaftsweise, mit denen wir einen gigantischen Raubbau an unseren Lebensgrundlagen betreiben, setzen wir unsere Zukunft aufs Spiel. Wir brauchen einen umfassenden sozial-ökologischen Wandel, um den ökologischen Kollaps noch abzuwenden und die Klimakatastrophe abzumildern. Das Wahljahr 2021 muss den Weg weisen für eine echte Verkehrs-, Agrar- und Ressourcenwende.“

Deutschland als starke Wirtschaftsnation mit großem ökologischen Fußabdruck trägt im Kampf gegen die großen Krisen eine besondere Verantwortung. Bürgerinnen und Bürger wollen, dass die Politik handelt. Das belegt die repräsentative Umfrage im Auftrag des BUND (siehe Anhang) auch im Einzelnen:

Gefragt nach der Bedeutung politischer Maßnahmen für Natur- und Umweltschutz bezeichneten insgesamt 91 Prozent der Befragten eine verpflichtende Kennzeichnung von Inhaltsstoffen in Alltagsprodukten zur Identifizierung von umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien als „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“. Knapp dahinter folgte der Ausbau erneuerbarer Energien (87 Prozent) und eine Förderung besserer Bus- und Bahnverbindungen auf dem Land und in der Stadt (86 Prozent). 

Ebenfalls sehr weit oben auf der Wunschliste stehen eine verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern bei Einsatz von Gentechnik enthaltendem Futter in der Tierhaltung (82 Prozent) sowie verbindliche Vorgaben für die Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Ersatzteilverfügbarkeit von Produkten (80 Prozent). Drei Viertel der Befragten (73 Prozent) fordern zudem die Politik zu Handeln auf, wenn es um verpflichtende Mehrwegsysteme bei mitgenommenen Speisen und Getränken sowie Versandverpackungen geht. 68 Prozent sehen Handlungsbedarf beim Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln in Klein- und Privatgärten. 37 Prozent befürworten einen Verzicht auf den Bau zusätzlicher Autobahnen. 

Bei der Bereitschaft zu einer deutlichen Änderung des Lebensstils für Klima-, Biodiversitäts- und Umweltschutz liegen die Gruppen der 14- bis 29-Jährigen und der 30- bis 39-Jährigen durchweg vor den übrigen Altersgruppen (zwischen maximal 13 Prozentpunkten und drei Prozentpunkten je nach Referenzgruppe). Die geringste Bereitschaft legen hier die 40- bis 49-Jährigen an den Tag. Mit Blick auf das Bildungsniveau zeigen sich bei den Antworten kaum Unterschiede, wobei Schülerinnen und Schüler überall den größten Veränderungswillen bekunden. Ebenfalls gering sind die Unterschiede zwischen Ost und West. Allerdings sind Befragte mit den kleinsten Haushaltsnettoeinkommen (unter 1500 Euro) fast durchweg zu größeren Veränderungen bereit.

Aus Sicht des BUND lässt sich aus den Ergebnissen der Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung nach einem Wandel, mehr Natur- und Umweltschutz und die Aufforderung an die Politik ablesen, mutig zu handeln. Klima-, Biodiversitäts- und Umweltschutz müssen endlich ganz oben auf die politische Agenda gesetzt werden, um in der nächsten Legislaturperiode eine umfassende sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft einzuleiten. 

Bandt: „Das Wahljahr muss die Wende bringen. Wir brauchen einen neuen, sozial-ökologischen Gesellschaftsvertrag mit einem neuen, gemeinwohlorientierten Wirtschaftssystem. Das bisherige Wirtschaftssystem ist gänzlich auf Wachstum ausgerichtet. Die drastischen Folgen unserer Produktionsweise und unseres Konsumverhaltens werden mit der Klimakrise, dem Artensterben und der Ressourcenkrise weltweit und auch bei uns deutlich sichtbar. Die Grenzen unseres Planeten sind an kritischen Stellen bereits weit überschritten. Und ständiges Wachstum ist auch nicht gerecht: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Wir müssen unsere Art zu leben und zu wirtschaften radikal ändern.“

Mit Blick auf das Wahljahr, mit der Bundestagswahl und mehreren Landtagswahlen, muss sich bei den politischen Parteien das Bewusstsein durchsetzen, dass stetiges Wirtschaftswachstum nicht länger ein Ziel der Politik sein kann. Bandt: „Oberste politische Priorität muss die Bewahrung der ökologischen Lebensgrundlagen sein. Diesen Zielen müssen die Parteien auch hinsichtlich der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie Rechnung tragen, die endlich ambitioniert und wirksam umgesetzt werden muss. Eine neue Bundesregierung muss endlich die Krisen an ihren Wurzeln packen. Nur dann gibt es eine Chance, einen Kollaps von Natur und Klima noch abzuwenden. 2021 muss den Startschuss für eine sozial-ökologische Transformation geben.“

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