Kreisverband Frankfurt

Reichen zwei Fahrspuren am Botanischen Garten?

23. Juli 2021

Diese Frage ist relevant für den U4-Lückenschluss, für den gegenwärtig zwei Optionen diskutiert werden: eine mit kurzer und eine mit langer Tunnelführung.

Reduktion von vier auf zwei Fahrspuren am Palmengarten  (Wolf Rüdiger Hansen)

Der BUND Frankfurt hat sich gegen den langen Tunnel unter Palmengarten und Grüneburgpark zum Uni-Campus ausgesprochen, da er mindestens 50 Prozent mehr kostet sowie entsprechend mehr Betoneinsatz erfordert. Weiterhin würde von ihm eine signifikante Gefahr für die alten Bäume in den Parks ausgehen. Wir werden die in Arbeit befindlichen Gutachten für Grundwasser und Baumbestand sehr genau prüfen, denn dieses Gelände mit seinem deutlichen Gefälle ist schon sehr speziell und zwei große Tunnel darunter (einer je Fahrtrichtung) könnten zu kaum kalkulierbaren Änderungen der Grundwasserströme und –pegel führen.

Die kurze Tunnelführung würde unter der Zeppelinallee und der Miquelallee in offener Bauweise erstellt. Dafür müsste die gegenwärtig vierspurige Straßenführung teilweise neben die Tunnelbaugrube verlegt werden. Das würde einen sehr breiten Baustreifen mit sich bringen, der auch wieder zahlreiche Bäume kosten würde. Angeblich fordert Hessen Mobil, dass während der kompletten Bauzeit diese vier Spuren erhalten bleiben müssten.

Wir glauben nicht, dass diese Forderung Substanz hat. Das beweist die gegenwärtige Straßenführung am Palmengarten auf der Miquelallee, die auf dem Foto dargestellt ist. Hier wurden die nördliche Fahrbahn für eine Baustelle gesperrt und der Verkehr über die südliche Fahrbahn umgeleitet: eine Spur je Fahrtrichtung. Nach allem, was man wahrnimmt, führt diese Verengung nicht zu Verkehrsproblemen. Zwei Fahrstreifen weniger ergäben eine geringere Zahl bedrohter Bäume. Also sollte die Stadt bitte eine Liste vorlegen, die zeigt, wie viele Bäume durch den langen oder durch den kurzen Tunnel gefährdet würden – beim kurzen Tunnel bitte unter dem Aspekt der schmalen Umleitung. Wir sind überzeugt, dass der kurze Tunnel deutlich schonender für den Baumbestand wäre.

Ein weiteres Argument für den kurzen Tunnel ergibt ein Aspekt im gegenwärtigen Koalitionsvertrag. Demzufolge soll der flächenfressende und autofreundliche Miquelknoten so rückgebaut werden, dass dort neue Wohnungen entstehen könnten. Das wäre eine gute Chance, auch den motorisierten Individualverkehr in diesem Umfeld zu reduzieren und auf den ÖPNV umzuleiten – auch dank der neuen U-Bahnstation am Botanischen Garten.

Pressemeldung vom 17.02.2021 und Forderungskatalog des BUND Frankfurt zum U4-Lückenschluss.

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