Kreisverband Frankfurt

Pressemitteilung: „Mobilitätswende jetzt“ - Mehr Lebensqualität für die Stadt zurückgewinnen

22. April 2021 | Energiewende, Klimawandel, Kreisverband Frankfurt/Main, Mobilität, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik

Der BUND Kreisverband Frankfurt unterstützt das Aktionsbündnis KlimaGerechtUnterwegs, dem sich mehr als 20 Initiativen und Vereine unter dem Motto „Mobilitätswende jetzt“ zusammengeschlossen haben.

Mehr Sicherheit durch neue Verkehrsregeln in der Schlossstraße  (Rüdiger Hansen)

Frankfurt, 21. April 2021 - Der BUND Kreisverband Frankfurt unterstützt die Ziele des Aktionsbündnisses KlimaGerechtUnterwegs, dem sich mehr als 20 Initiativen und Vereine unter dem Motto „Mobilitätswende jetzt“ zusammengeschlossen haben. Die Forderungen dieses Bündnisses sollen in die laufenden Koalitionsverhandlungen in Frankfurt einfließen.

Der BUND Frankfurt teilt die Meinung vieler Frankfurterinnen und Frankfurter, dass der motorisierte Individualverkehr deutlich reduziert werden muss, um die Klimaneutralität der Stadt bis 2035 zu erreichen und dem Ziel einer nachhaltig lebenswerten Stadt gerecht zu werden. Dafür sind zahlreiche Maßnahmen notwendig: Fahrradfreundliche Radwegeführung, Ausbau des ÖPNV, Reduktion des Innenstadtverkehrs und die unverzügliche Erstellung des Masterplans Mobilität.

Autofreier Lebensraum auf dem nördlichen Mainkai schaffen.
Der Durchgangsverkehr muss aus der Stadt herausgenommen werden, der zum Beispiel über die nördliche Mainuferstraße pulsiert. Wer von Ost nach West, von Süd nach Nord oder umgekehrt mit dem Auto fahren will, kann auf die umgebenden Autobahnen ausweichen. Deswegen bedauert der BUND Frankfurt, dass der Verkehrsversuch mit der Sperrung des nördlichen Mainufers im Jahr 2020 abgebrochen wurde.

Dazu Professor Martin Lanzendorf, Mobilitätsforscher an der Goethe-Universität: „Es ist ein großer städtebaulicher Fehler, den Mainkai am Dom entlang als Schnellstraße für den Durchgangsverkehr zu nutzen. Der Mainkai ist ein wertvoller Erholungsraum für die Bürgerinnen und Bürger und sollte autofrei sein“. Wolf-Rüdiger Hansen, Mitglied des Vorstands im BUND Kreisverband Frankfurt, ergänzt: „Die zusätzliche Verkehrsbelastung anderer Stadtviertel während der versuchsweisen Sperrung des Mainkais kann nicht als Argument gegen eine solche Sperrung angeführt werden. Das ist Resultat eines schweren Versäumnisses der Verkehrsplanung, die keine Maßnahmen getroffen hatte, um den motorisierten Durchgangsverkehr großräumig umzuleiten. So eine Sperrung muss Teil eines Mobilitätsplans werden.

Vorrang für den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).
Täglich pendeln bis zu 400.000 Menschen nach Frankfurt. Durchschnittlich 67 Prozent davon kommen mit dem Auto. Dieser Anteil ist maßgeblich auf den ÖPNV zu verlagern. Netzdichte und –kapazität müssen dafür zügig verbessert werden. Beschlossene Maßnahmen zeigen in die richtige Richtung: So die Verlängerung der U2 bis zum Bahnhof Bad Homburg, um die Fahrzeit vom Taunus in die Innenstadt zu verkürzen; die Verbreiterung der S-Bahntrasse nach Bad Vilbel auf vier Gleise zur höheren Taktung der Züge; die Regionaltangente West, um viele Wege zur Arbeit zu beschleunigen und U-Bahnpassagiere von den Innenstadtlinien auf die Peripherie zu verlagern.

Mit dem geplanten U4-Lückenschluss von Bockenheim nach Ginnheim wird endlich ein zweiter Tunnel zur Entlastung des A-Tunnels unter der Eschersheimer Landstraße verfügbar. Er bietet erstmals eine direkte Verbindung für die nordwestlichen Stadtteile zum Hauptbahnhof. Neben U- und S-Bahnen gilt es, auch das Straßenbahnnetz zu erweitern und weitere reservierte Spuren für Busse einzurichten. Die Ampelschaltungen müssen für den Bus- und Straßenbahnverkehr optimiert werden, um die Fahrzeiten zu verkürzen. Die Einführung eines 365-Euro-Tickets für alle Bürger wäre zielführend.

Mehr geschützte Fahrradstreifen.
Der BUND unterstützt die fortschreitende Einrichtung von Fahrradstreifen. Beispielhaft ist die Friedberger Landstraße, eine wichtige Zufahrtsstraßen zur City. Dort wurden Radstreifen auf der rechten Fahrspur rot markiert und Autos auf die linke Spur zurückgedrängt. Gleiches wurde auf der innerstädtischen Hochstraße realisiert. Auf der Schlossstraße, auf der ohnehin nur eine Fahrspur je Richtung zur Verfügung steht, wurden Radfahrer bisher zwischen fahrenden und parkenden Autos eingezwängt. Jetzt wurden hier Überholverbotsschilder für Autos aufgestellt und die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt. Radler fahren nun mittig auf den Fahrstreifen, Autos reihen sich ein. (s. Foto)

Der Masterplan Mobilität muss her.
Der BUND begrüßt das Vorhaben des Frankfurter Verkehrsdezernats, im Zuge des „Sofortprogramms saubere Luft“ nicht nur Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Fahrverbote einzuleiten, sondern auch einen Mobilitätsplan zu entwickeln. Er soll mit dem Konzept „Sustainable Urban Mobility Plan“ der Europäischen Union koordiniert und mit einer Bürgerbeteiligung begleitet werden. Im Zuge dessen fordert der BUND, wo immer möglich seitliche Parkstreifen an den Straßen zu Radwegen, Grünstreifen und Standorten für Bäume umzuwandeln. Parken in der Innenstadt soll auf die Parkhäuser konzentriert werden. Die Zufahrtswege zu den Parkhäusern sollen digital optimiert werden, damit Autos auf der jeweils kürzesten Strecke in die Parkhäuser und wieder herausfinden.

ÖPNV und Wohnungsbau zusammen denken.
Wenn diese Maßnahmen zur Verdichtung und Kapazitätserweiterung der ÖPNV-Linien zügig vorangetrieben werden, wird das auch zu einer Entlastung des Frankfurter Wohnungsmarktes führen, denn Bürger aus der Region gelangen dann schneller zu ihren Arbeitsplätzen.

Aktion zum Motto „Mobilitätswende jetzt“.
Das Aktionsbündnis KlimaGerechtUnterwegs plant am 02. Mai 2021 eine große Rad-Demo durchzuführen, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Pressemitteilung als PDF

Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen – Mitglied des Vorstands - BUND Kreisverband Frankfurt
Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt - ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de - M: 0171 2257 520
geschaeftsstelle(at)bund-frankfurt.de - T: 069 979 489 68 - www.bund-frankfurt.de

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