Weitere Fragen zum Frankfurter Stadtteil der Quartiere: Verdichtete Quartiere? Gefährdete Landwirtschaft? Lange Wege zu Erholungsflächen?
Mähdrescher auf dem fruchtbaren Lehmlössboden im Frankfurter Nordwesten. © WR Hansen
Frankfurt, den 27.01.2026 - Der Neue Stadtteil der Quartiere im Frankfurter Nordwesten an der Autobahn A5 wird seit über acht Jahren geplant. Nun hat der Magistrat den Auftrag an das Stadtplanungsamt erteilt, einen konkreten Bebauungsplan zu entwickeln (Beschluss § 6953 vom 11.12.2025). Bisher wurden nur Gestaltungsszenarien diskutiert, die aus dem Wettbewerb mit sieben Architektenbüros hervorgegangen waren. Gewinner war das „Büro Cityförster-Urbane Gestalt“ mit seinem Entwurf „Quartiere im Kreislauf“.
Diese Szenarien waren auch Gegenstand der moderierten Bürgerbeteiligungsrunden im Jahr 2020. Im Vordergrund stand und steht bis heute die bildliche Darstellung der Quartiere im Kreislauf mit einer angenehm durchgrünten Stadtlandschaft östlich und westlich der Autobahn (VU-Bericht vom 5.11.2021 S. 90-91). Auf der Westseite ist hier noch das Quartier Neu-Steinbach abgebildet, das später aus der Planung genommen wurde. Seitdem werden nur noch drei Quartiere östlich der Autobahn geplant.
Im März 2025 erteilte der Darmstädter Regierungspräsident im Rahmen des regionalen Flächennutzungsplanes RegFNP die Auflage, dass auf der westlichen Fläche keinerlei Bebauung erfolgen darf - keine Wohnungen, keine Gewerbeanwesen und keine Sportanlagen. Erlaubt ist westlich nur die geplante „Koproduktive Landschaft“, auf der östlichen Fläche die Quartiere „Produktives Praunheim“, „Lachgraben-Quartier“ und „Neu-Weststadt“.
Mit Blick auf die nun von Bebauung freibleibende Westfläche richtete der Ortbeirat 8 die Anregung an den Magistrat (ST 42 vom 5.1.2026), die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) für den Stadtteil der Quartiere konsequenterweise auf die östliche Fläche des Betrachtungsraums zu beschränken, auf der gebaut werden soll, und die westliche Fläche herauszunehmen.
Darauf hat der Magistrat wie folgt ablehnend geantwortet: „Die Flächen westlich der BAB 5 sind integraler Bestandteil und notwendige Planungsvoraussetzung der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM), um den Wohnraum auf der Ostseite schaffen zu können… Hier werden die für die Quartiersentwicklung im Osten erforderlichen Naherholungs- und Ausgleichsflächen nachgewiesen, für die der verdichtete Osten des Entwicklungsbereichs keinen Raum bietet…“.
Für den Beobachter dieses langjährigen und von den Medien intensiv begleiteten Vorplanungsprozesses ergeben sich bezüglich der Formulierung „verdichteter Osten“ ohne Raum „für Naherholungs- und Ausgleichsflächen“ diese Fragen:
- Können das so angenehm durchgrünte Quartiere werden, wie sie in den Cityförster-Bildern vermittelt werden und in den Beteiligungsrunden präsentiert wurden? Wie dicht und wie hoch soll im Stadtteil der Quartiere schlussendlich gebaut werden? Mit wie vielen Etagen?
„Green City“ Frankfurt sollte allen Bürgern und Bürgerinnen innerhalb von fünfzehn Minuten fußläufig von der Wohnung aus Zugang zu Erholungsflächen bieten. Für die neuen „verdichteten“ Quartiere erscheint das unrealistisch, zumal die Menschen für diesen Weg die Autobahn überqueren müssten. Noch länger wird der Zugang zu den Grünflächen für die Menschen in den bestehenden Quartieren Praunheim und Nordweststadt, die bisher die unversiegelten östlichen Flächen für erholsame Spaziergänge nutzen. Frage:
- Welche Distanzen zu den Erholungsflächen jenseits der Autobahn soll den Menschen in den neuen und bestehenden Quartieren zugemutet werden?
Auf der westlichen Fläche sollen „Ausgleichs- und Erholungsflächen“ und das Projekt „Koproduktive Landschaft“ entstehen. Damit werden der Landwirtschaft Feldflächen entzogen. Auf der östlichen Fläche sollen fruchtbare und sehr wasserspeicherfähige Lehmlössboden für drei Quartiere versiegelt werden. Hier gingen den Landwirten wahrscheinlich alle Felder verloren. Frage:
- Wie will die Stadt Frankfurt angesichts des Verlustes großer Feldflächen der Auflage des RP Darmstadt nachkommen, keine Existenzen landwirtschaftlicher Betriebe zu gefährden?
Bisher ist keine Stimme seitens der auf diesen Flächen aktiven Landwirte bekannt geworden, die die Planung und die Vereinnahmung ihrer Felder gutheißt. Selbst wenn sie einverstanden wären, dann müssten sie sich andere Felder suchen. Liegen die auf schlechteren Böden, dann sinken die Erträge bzw. es müssen mehr Düngemittel ausgebracht werden. Wenn diese Böden nicht so wasserspeicherfähig sind, dann steigen die Ernteschäden in Hitzesommern oder es muss mehr bewässert werden. Liegen die Felder weiter weg, dann verlängern sich die Wegstrecken für die Fahrzeuge und die Arbeitszeiten des Personals. Konsequenz:
- Hier entstünden den Landwirten durch Wegfall kostenloser Ökosystemleistungen der Natur zusätzliche Kosten bzw. Ertragsminderungen, die ihre Existenzgrundlage schmälern würden.
- Weiterhin würden durch zusätzlichen CO2-Ausstoß die Klimaziele der Stadt Frankfurt oder der Kommunen beeinträchtigt, auf deren Flur die neuen Felder lägen.
Das sind besorgniserregende Szenarien für die Landwirte, die befürchten lassen, dass doch Betriebe aufgeben, zum Schaden der Ernährungssicherheit unseres Landes.
Dazu kommentiert Wolf-Rüdiger Hansen, Mitglied des Vorstands im BUND-Kreisverband Frankfurt: „Es ist nicht erkennbar, ob diese wirtschaftlichen und klimatischen Zusammenhänge sowie der außerordentliche Wert der Lehmlössböden von Gremien und Entscheidern der Stadt berücksichtigt werden. Angesichts des Klimawandels, des Verlustes wertvollen Lehmlössbodens und der nicht erkennbaren Wertschätzung für die Landwirte ist das sehr ärgerlich.“
Download PressemitteilUng 27.01.2026 als PDF
Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen, Mitglied des Vorstands im BUND Kreisverband Frankfurt
Mobil: 0171 2257 520 - E-Mail: ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de
Geschäftsstelle: Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt - Telefon: 069 979 489 68
E-Mail: geschaeftsstelle@bund-frankfurt.de - www.bund-frankfurt.de