BUND Frankfurt warnt vor Gefahren für die Trinkwasserversorgung der Stadt durch die geplante Multifunktionshalle am Waldstadion

  • Die Multifunktionshalle läge im Schutzgebiet der Wasserwerke Goldstein und Oberschweinsteige, nur ca. 400 Meter entfernt vom nächsten Trinkwasserbrunnen.
  • Die Baumaßnahme würde zur Fällung weiterer Bäume führen. Andererseits ist der Termin für die seit über 20 Jahren beschlossene Aufforstung der in der Nähe liegenden Isenburger Schneise immer noch offen.

Frankfurt am Main, 07.01.2025  -  Der BUND Kreisverband Frankfurt verfolgt den langjährigen Planungsgang der Frankfurter Multifunktionshalle mit Sorge. Nachdem die vorher diskutierten Lagen am Flughafen und am Kaiserlei nicht realisiert werden konnten, wird jetzt vom Magistrat Druck erzeugt, um die Planung zu beschleunigen. Dass Frankfurt so eine Halle benötigt, ist nachvollziehbar, aber deswegen darf die Sorgfalt des Planungsablaufes und die Betrachtung von Alternativen nicht vernachlässigt werden. Eine solche Alternative wäre – wie kürzlich in der Presse berichtet -, die Festhalle an der Messe. Dort gibt es genug Parkplätze, eine gute ÖPNV-Anbindung mit Bahn und Bus und direkten Zugang für die Besucher zur Stadt.

Im aktuellen Magistratsbericht B431 vom 25.11.2024 (mit Bezug auf den Beschluss M119) wird ausführlich dargestellt, welche Maßnahmen für die Planung der Multifunktionshalle unternommen wurden bzw. werden sollen. Seit 20 Jahren besteht Baurecht. Eine Machbarkeitsstudie wurde erarbeitet, die aber den aktuellen Anforderungen von Klimazielen, Ökologie und Verkehrsplanung nicht gerecht wird.

Der Ärger im nahen Stadtteil Niederrad, der bei Veranstaltungen im Waldstadion regelmäßig von parkenden Autos überschwemmt wird, ließe gar Böses erahnen, wenn dort große Veranstaltungen in zwei Hallen parallel betrieben würden.

Deswegen sollen laut Magistratsbericht die ökologische Nachhaltigkeit sowie die Konformität mit den aktuellen Zielen von Klima-, Bau- und Mobilitätswende vertieft überprüft werden. Zur Mobilitätswende werden konkret die Stichworte „Modalsplit“ und „Parkraum-Bewirtschaftung“ aufgeführt, zur Klimawende „CO2-Gesamtbilanz inklusive grauer Energie“ sowie die „Flächenbilanz ökologisch relevanter Eingriffe“. Die Finanzmittel für die vertiefte Planung müssen allerdings noch bewilligt werden.

Trinkwasserschutz wird nicht explizit aufgeführt.

Die geplante Multifunktionsarena läge in der Schutzzone III A des Schutzgebiets der Wasserwerke Goldstein und Oberforsthaus. Gemäß Schutzgebietsverordnung für die Stadtwaldwasserwerke sind Bohrungen, Erdaufschlüsse und sonstige Bodeneingriffe mit wesentlicher Minderung der Grundwasserüberdeckung verboten. „Warum werden diese Einschränkungen im aktuellen Magistratsbericht B379 nicht erwähnt?“ fragt Wolf-Rüdiger Hansen vom BUND Frankfurt.

Der Grundwasserspiegel liegt hier 7,5 bis 10 Meter unter der Oberfläche. Der nächste Brunnen ist vom Vorhabenstandort nicht einmal 400 Meter entfernt. Der Hallenbau würde wahrscheinlich einen gravierenden Eingriff in das Grundwasser erfordern. Gebäudeteile, Tiefgaragen usw. könnten das Grundwasser aufstauen, umlenken oder eine Sperrwirkung nach sich ziehen. Das Einbringen von Schadstoffen während der Bauzeit scheint unausweichlich. Das Grundwasser ist hier bereits mit Schadstoffen belastet. Bauarbeiten im Bereich solcher Grundwasserschäden könnten weitere Schadstoffe im Anstrom der Trinkwasserpumpen mobilisieren.

Dauerhaft zusätzliche Gefahren für das Grundwasser entstünden auch während des Betriebs der Halle, so durch den zusätzlichen Kfz-Verkehr und die vielfach beklagte wilde Verrichtung der kleinen Notdurft seitens der Besucher.

Diese Gefahrenlage ist nicht mit dem Frankfurter Wasserkonzept 2021 vereinbar.

Der Hallenbau könnte also dazu führen, dass die genannten Wasserwerke ihre Fördermengen senken müssten. Jedoch fördert Frankfurt ohnehin nur 25 Prozent seines Trinkwasserbedarfes aus eigenen Quellen, 75 Prozent werden aus dem Umland bezogen. Bereits seit Jahrzehnten kämpfen besonders die Menschen im Vogelsberg darum, dass Frankfurt seinen Wasserbezug aus dem Umland einschränken möge. Dort fallen in den warmen Sommern zunehmend Bäche trocken, einschließlich des Oberlaufs der Nidda. Im Hessischen Ried sterben seit vielen Jahren die Wälder, weil sich die Grundwasserspiegel übermäßig gesenkt haben.

Hinzu kommt, dass jetzt auch die Offenbacher Wasserbrunnen nicht mehr ergiebig genug sind. Deswegen soll auch Offenbach Zukunft Trinkwasser aus dem Hessischen Ried erhalten soll. Statt das Ried zu entlasten, wird so die Fördermenge erhöht. Dieser Wasserkonflikt wird auch dadurch nicht behoben, dass die Grundwasserspiegel gegenwärtig nach einem regenreichen Jahr 2024 wieder aufgefüllt sind. Die Folgen des Klimawandels werden damit allenfalls kurzfristig kompensiert.

Aufforstung der Isenburger Schneise nach 20 Jahren immer noch nicht absehbar.

Der Parkplatz an der Isenburger Schneise wurde regelmäßig als Ausweichparkplatz für große Veranstaltungen im Waldstadion genutzt. Nach der Europameisterschaft 2024 sollte er laut Ankündigung der Stadt zügig aufgeforstet werden. Ein Termin dafür ist jedoch immer noch nicht festgelegt, wie die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidenten verlauten ließ. Um so notwendiger wäre ein Mobilitätskonzept, das aufzeigt, wie der Verkehr besonders dann regelbar wird, wenn im Waldstadion und in der Multifunktionshalle Veranstaltungen gleichzeitig stattfänden – einschließlich einer Entlastung des Stadtteils Niederrad und ohne den Parkplatz an der die Isenburger Schneise.

Vielleicht sollte die Stadt prüfen, die Festhalle an der Messe als Multifunktionshalle zu ertüchtigen. Notwendige Finanzmittel für Planung, Mobilitätskonzept, Wasserschutz etc. würden dann erheblich reduziert bzw. entfallen. ÖPNV-Anbindung und Parkhäuser sind vorhanden. Veranstaltungsbesucher hätten direkten Zugang zur Stadt, was der Wirtschaft insgesamt nutzen würde. Über diesen Vorschlag des bekannten Frankfurter Konzertveranstalters Marek Lieberberg wurde kürzlich in der Presse berichtet.

 

BUND-Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen, Mitglied des Vorstands, BUND Kreisverband Frankfurt
Mobil: 0171 2257 520  -  E-Mail: ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de
Geschäftsstelle: Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt am Main  -  Telefon: 069 979 489 68
E-Mail: geschaeftsstelle(at)bund-frankfurt.de  -  www.bund-frankfurt.de

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