Kreisverband Frankfurt

Klimaspaziergang des BUND Frankfurt-Ost mit Revierförster Holger Scheel

22. Juni 2022 | OV-Ost, Klimawandel, Stadtbäume, Wälder

Der vom BUND initiierte Klimaspaziergang war aufgrund der Veröffentlichung im Programm zum Anlass des 650 jährigen Jubiläums des Frankfurter Stadtwalds mit gut 50 Teilnehmern sehr gut besucht.

In der Versuchsfläche unter mediterranen Eichen mit Revierförster Holger Scheel  (©John Dippell)

Auf dem kurzen Rundgang durch sein Revier stellte Revierförster Holger Scheel seine Strategie zum Erhalt des Waldes vor, also wie er auf Dürre und Baumsterben der letzten Jahre reagiert hat und wie er weiter vorgehen will.

Der Spaziergang führte zunächst durch Bereiche, die besonders stark durch abgestorbene Bäume geprägt waren, um das Publikum zu sensibilisieren. Von kühlfeuchtem Waldklima mit tiefem Schatten war auf den sandigen Böden der Kelsterbacher Terrasse keine Spur. Im Gegenteil, die verblieben Bäume und der Waldboden waren der prallen Sonne ausgesetzt. An diesem sehr heißen Nachmittag wehte dazu noch ein heißer Wind durch den Wald. Abgestorbene Bäume spenden auch noch ein wenig Schatten und werden daher nach Möglichkeit im Wald belassen.

Die folgenden Stationen widmeten sich der Frage, wie die Wiederbewaldung von statten geht und welche Baumarten sich dafür anbieten. Eine erste eingezäunte Fläche beherbergt eine Aufforstung mit jungen Laubbaumarten und eingestreuten Kiefern. Der Zaun schützt die kleinen Bäumchen vor hungrigem Reh- und Damwild. Auch sonst bedarf es einiger Vorbereitungen um für den „neuen“ Wald gute Startbedingungen zu schaffen. Nachdem der ursprüngliche Kiefernwald abgestorben war, hatten zunächst Amerikanische Traubenkirschen die Fläche „übernommen“. Diese invasiven Neophyten sind allerdings unerwünschte Konkurrenz für den zukünftigen Wald. Zudem sind sie ökologisch wertlos, denn sie bieten keine Nahrung für pflanzenfressende Insekten und anderes Getier. Durch ihr makelloses Aussehen erwecken sie den Eindruck von „Plastikbäumen“, so Holger Scheel.

Die Jungbäume der Pflanzung müssen, bis sie eine gewisse Größe erreicht haben, regelmäßig von unerwünschter Konkurrenz befreit werden. Zum Einsatz kommen neben Ess- oder Edelkastanien auch eher in südlichen Gefilden beheimatete Eichen, zum Beispiel die Flaumeiche, die nur im äußersten Südwesten Deutschlands heimisch ist. Sie hat sich in einer ebenfalls umzäunten Versuchsanpflanzung, der dritten Station des Spaziergangs, gegen andere südeuropäische Eichenarten durchgesetzt. Von südeuropäischen Baumarten erwartet man allgemein eine bessere Anpassung an den Klimawandel.

Zum Schluss wurde noch der geringe ökologische Wert einer weiteren Baumart aus Nordamerika eindrucksvoll demonstriert. Die amerikanische Roteiche ist schon lange im Stadtwald präsent. Roteichenforste fallen durch eine besonders dicke Laubschicht am Boden auf, da es kaum Organismen gibt, die die diese abbauen können.

Um viele Erkenntnisse reicher ging es für das interessierte Publikum zurück zum Ausgangspunkt. Manch einer wird in Zukunft mit einem anderen Blick durch den Wald gehen und auch mal in den Himmel schauen, denn in den Baumkronen zeigt sich das ganze Drama des Waldsterbens 2.0. Zumindest im Schwanheimer Wald darf man davon ausgehen, dass mit den richtigen Maßnahmen reagiert wird.

Zur Übersicht