Achtung! Krötenwanderung
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Krötenzäune! Krötenzäune! Krötenzäune! Ach, geh fort. Es ist eigentlich jedes Jahr das Gleiche. Wir vom BUND Frankfurt, OV West, bauen im Frühjahr Krötenzäune auf, um zu verhindern, dass ca. tausend Kröten pro Jahr auf der Oeserstraße in Frankfurt Nied den Verkehrstod sterben. Die wollen nämlich von der südlichen Seite der Oeserstraße auf die nördliche wechseln, um dort in einem ehemaligen Altarm der Nidda abzulaichen. Denn dort, wo sie geboren wurden, wollen sie auch ihre Nachkommen zur Welt bringen.
Und doch, dieses Jahr war etwas anders. In früheren Jahren begab es sich, dass sich die Mitglieder des Ortsverbandes West morgens in den Niedwald aufmachten, Heringe in den Boden hauten, Eimer einbuddelten und den grünen Zaun spannten. Mittlerweile hat das Projekt auch viele Freiwillige angelockt, die uns über Jahre die Treue halten und immer wieder mithelfen, Danke Euch.
Aber dieses Jahr kamen so viele Helfer wie noch nie. Unter ihnen auch Teilnehmer*innen der Vielfalter, die Kindergruppe des OV West, mit engagierten Eltern. Eine tolle Schar übrigens, schon beim Weihnachtsmarkt waren sie Höchst (!!) erfolgreich und beim Krötenzaun inspirierten sie mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Energie die anderen vielen Mithelfer*innen.
Und dann geschah dieses Jahr noch etwas. Es kamen zum ersten Mal ein paar Spaziergänger*innen vorbei und bemerkten, man solle den Kröten doch ihre Freiheit lassen, sie nicht mit Zäunen und Eimern gängeln. Nun, zugegeben, wir stellen den Kröten den Zaun in den Weg. Doch der Zaun ermöglicht den Kröten ein freies Leben, es ist kein normaler Zaun, er ist Teil einer Brücke, die nicht trennt, sondern verbindet, ein dialektischer Zaun. „Oh je“, sagen die Spaziergänger*innen „Geht es auch eine Nummer konkreter?“ Gut, also man könnte argumentieren, dass die Kröten mit ihrem Amphibienhirn noch nicht in der Lage seien, Gefahr für Leib und Leben zu erkennen. Ja, das Krötengehirn ist eigentlich nicht mehr als ein Stück verdicktes Rückenmark, nicht viel mehr als das Stammhirn. Also wissen die Tiere nicht, was sie tun. Wir müssen für sie denken. Wir wissen, was gut für sie ist. Die Spaziergänger*innen hatten eine solche Argumentation erwartet.
Doch halt, darum geht es ja gar nicht. Es ist egal, zu welchen Gedanken die Kröten fähig sind. Und, wer weiß? Vielleicht haben sie auch einen Plan. Vielleicht sind sie schlauer als wir denken? („Autoverkehr“ so ahnen sie, „alles nur vorübergehend“) Nein, die Evolution kommt anders ins Spiel. Etwa so: Durch das Aufblähen unserer Großhirnrinde über die Millionen von Jahren, wurden wir immer besser befähigt, abstrakt zu denken, zu planen und sozial zu handeln. Wir entwickelten Empathie. Diese zielt vielleicht primär auf unsere Artgenossen*innen ab, aber eben auch auf andere Wesen dieser Erde... mitunter, bei manchen Menschen, ach, bei doch eigentlich fast allen. So wird ein Schuh draus, bzw. ein Zaun. Also: „Lieber Tot als Sklav*in?“ Dann wirklich tot, denn die platt gefahrenen Amphibien sind Fakt. Der Zaun aber überwindet den Widerstand gegen das freie Wandern Richtung Grill'scher Altarm.
Die Spaziergänger*innen blieben skeptisch. Das ist ihr gutes Recht. Mittlerweile war es ruhig geworden im Niedwald. Plötzlich stand ein uralter Mann neben mir. Er sprach: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ Das hatte er schön gesagt, auch so schön altmodisch. Als ich ihn fragen wollte, wovon er da redete, war er auch schon verschwunden. Doch etwas hing noch in der Luft, und ich meine nicht den Geruch des Bärlauchs, es war.....der alte Geist der Aufklärung.
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