Der BUND Kreisverband Frankfurt stellt sich gegen die beabsichtige Versiegelung von Wegen im „Grünen Ypsilon“ in Frankfurt

Zu den Berichten der Frankfurter Rundschau vom 09.08., 15.08.25 (beide von F. Leclerc), 18.08. (T. Stillbauer)

Frankfurt am Main, 19.08.2025 – Der BUND Kreisverband Frankfurt betrachtet mit großem Unverständnis die aktuelle Planung des Grünflächenamtes, im Grünen Ypsilon 1,2 Kilometer Wegstrecke in 3,5 Meter Breite mit wasserundurchlässigem Betonpflaster anzulegen. Das wird auch mit dem Hinweis des Klimareferates nicht besser, dass der Aufheizung der Betonsteine durch die Gestaltung mit einem „naturnahen Erscheinungsbild“ der Pflastersteine entgegengewirkt werden solle. Das wäre reine Kosmetik und änderte nichts an der Hitzespeicherfähigkeit des Betons.

Diese Wege sind derzeit mit einer wassergebundenen und damit wasserdurchlässigen Decke versehen, wie es auch in allen anderen Parks in Frankfurt üblich ist, so im Grüneburg- Günthersburg-, und Niddapark. In allen diesen Parks gibt es von Radelnden stark frequentierte Wegebeziehungen. Im Grünen Ypsilon sollen nun auf solchen Wegen der Staub im Sommer und Pfützen bei starkem Regen eine Versiegelung notwendig machen? Da kann man nur sagen: Wehret den Anfängen.

1,2 km betonierte Wege entsprechen mehr als 200 Parkplätzen für PKWs. Wird diese Tatsache von den zuständigen Ämtern berücksichtigt? Wird darüber nachgedacht, welch ein Schaden damit der Hitzeresilienz der Stadt zufügt würde? Für die Menschen, die unter der übermäßigen Sommerhitze in der Stadt leiden? Schließlich ist es für die Hitzewirkung solcher versiegelten Flächen egal, ob sie als Parkplätze am Straßenrand oder als Radwege in Parks liegen.

Die vorgelegten Begründungen sind auch deswegen nicht nachvollziehbar, weil die Gesamtheit der notwendigen Kriterien nicht berücksichtigt wird. So fehlt die Betrachtung der Aufenthaltsqualität und der gesundheitlichen Wirkungen bei sommerlichen Temperaturen. Dafür kann die Versiegelung mit Betonpflaster nicht als Nebenwirkung abgetan werden. Auch die Beeinträchtigungen des Mikroklimas in diesem bereits überlasteten Bereich ist einzubeziehen, sowie die Notwendigkeit des Erhalts von Kaltluftentstehungsflächen, die im Klimaplanatlas der Stadt Frankfurt dokumentiert sind. Im Green-City-Konzept sind solche Grünflächen als „Speichen“ für die Belüftung der Stadt ausgewiesen.

Ziel der Stadt Frankfurt muss sein, solche Einzelmaßnahmen in eine ämter- und flächenübergreifende Bewertung einzubinden, die auch im aktuellen Masterplan Mobilität gefordert wird. Leider wird jedoch auch darin das Zusammenspiel von Mobilitätserfordernissen und gesundheitlichen Wirkungen noch nicht gesamtheitlich betrachtet. Damit ergäbe sich zwangsläufig eine fundiertere Bewertung von Einzelmaßnahmen.

Die Forderung des BUND, von dem Betonvorhaben im Grünen Ypsilon abzusehen, wird auch in dem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 18.06.25 untermauert: „Frankfurt hat ein Bestandsproblem: Extreme Hitze auf versiegelten Flächen“. Demzufolge haben die Rechercheplattform „Frag den Staat“ und das renommierte Karlsruher ITK (Institut für Technologie) in ihrem „Hitze-Check“ herausgefunden, dass Frankfurt nach Mannheim die zweitheißeste Stadt in Deutschland ist. Demzufolge sind in Mannheim bei einer Oberflächentemperatur von 38 Grad 88 Prozent der Menschen stark hitzebelastet, in Frankfurt 61 Prozent bei 36 Grad. Die Städte Köln und Hannover folgen hinsichtlich der Hitzebelastung mit deutlichem Abstand auf den Positionen 3 und 4.

Wir wünschen uns von der Stadt Frankfurt, dass sie die Reduktion des sommerlichen Hitze-stresses mit oberster Priorität in ihre Beschlussfassung einbezieht. Die Absicht, im Grünen Ypsilon eine Fläche zu versiegeln, die 200 PKW-Parkplätzen entspricht, passt nicht dazu.

Download Pressemitteilung 19.08.2025 als PDF

Kontakt: Wolf-Rüdiger Hansen, BUND Kreisverband Frankfurt,
ruediger.hansen(at)bund-frankfurt.de – M: 0171 2257 520