Kreisverband Frankfurt

Der Dreistachelige Stichling

Schön sieht er aus: der kleine Dreistachelige Stichling. Oben graugrün, seitlich silberfarben und während der Laichzeit ist das Männchen vorne orange-rot. Es gibt zwei Formen des Stichlings; eine wandernde Meeres-Spezie, die zum Ablaichen in die Binnengewässer zieht, und eine, die nur im Süßwasser lebt.

Die Laichzeit ist im späten Frühjahr, und da baut das Männchen am Gewässergrund ein Nest, in das dann das Weibchen die Eier gibt. Herr  Stichling bewacht die dann bzw. die geschlüpfte Brut, die er heldenhaft auch gegen weitaus größere Fische verteidigt. Selbst ein Hecht frisst dann diesen aggressiven und stacheligen Gesellen eher nicht.

Die Brut verzieht sich erst dann, wenn der Dottersack aufgezehrt ist. Die Nahrung der Jungfische sind dann überwiegend Mücken- und Insektenlarven, sie gehen aber später auch an andere Fischgelege. Der  bis zu acht Zentimeter lange Fisch hat keine Schuppen, und ein Teil der Rückenflossen sind zu Stachelstrahlen umgewandelt, die bei Gefahr hochgestellt werden können, und sie haben einen weichen Stachel von der verkümmerten Bauchflosse. Der Gasterosteus aculeatus lebt sowohl in Seen und Teichen, als auch in Flüssen und Bächen, an der Küste sogar im Brackwasserbereich. Er ist im Bestand noch nicht überall bedroht, aber für seinen Bruder, den Neunstacheligen Stichling, gilt in Hessen schon ein absolutes Fangverbot.

Wo er lange fehlte, im Flörsheimer Ardeltgraben, sind nach einer Renaturierung der Rhein-Main-Deponie und des dortigen BUND-Ortsverbandes die Fische wieder in das Gewässer zurückgekehrt. Auch in den Altarmen der Nidda im westlichen Teil von Frankfurt hatte der örtliche Angelverein im Frühjahr 2007 mal wieder 1000 Tiere eingesetzt. Ansonsten findet man ihn im Raum Frankfurt in den meisten Taunusbächen, in den Wasserflächen des Alten Flugplatzes bei Bonames und in den Oberräder Wassergräben.

Richard Schmidt

 

Der Bitterling

Der Bitterling ist der Kuckuck unter den Fischen. Genau wie der Vogel, der sein Ei in ein fremdes Nest legt, führt das Bitterlingsweibchen eine Legeröhre durch die Kloake einer Fluß- oder Teichmuschel in deren Kiemenraum. Nach diesem Vorgang lädt der buntgefärbte Herr Bitterling unter heftig zuckenden Bewegungen seine Milch vor der Atemöffnung der Muschel ab, die sie einsaugt und so die Eier befruchtet.

Im Gegenzug haften dann die Larven der wenig mobilen Muschel an den Babyfischen, die die dann durch das Gewässer transportieren, und die dann irgendwo abfallen, um dort weiterzuleben – eine Hand wäscht eben die andere. Und eben deswegen geht es in den (nicht nur) hessischen Seen, Teichen oder langsam fließenden Flüssen beiden so  schlecht. Verschmutzte Gewässer und übermäßiger Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft setzt den Muscheln zu und hat sie selten werden lassen.

Auch die Bisamratte, die eigentlich Vegetarierin ist, ist auf den Muschelgeschmack gekommen und knackt die Schalentiere ohne Mühe. Und der Bitterling kann sich nicht mehr fortpflanzen. Das ist für ihn bitter, und genauso schmeckt er auch. Deshalb ist er für die Angler nicht mal mehr als Köderfisch zu gebrauchen. Er ist unsere kleinste Karpfenart und wird bis zu fünf, in Ausnahmefällen bis zu acht Zentimeter lang.

Als Jungfische stehen Zuckmückenlarven und andere Mini-Insekten auf seinem Speiseplan, später mutiert er dann mehr zum Vergetarier. Um auf den mittlerweile seltenen Fisch aufmerksam zu machen, wurde er 2008 zum "Fisch des Jahres" gekürt. Nachhilfe ist deswegen auch schon im Anmarsch: im NSG "Reinheimer Teiche" im nördlichen Odenwald haben Mitarbeiter der Naturschutzbehörde Darmstadt und des Reinheimer Angelvereins nach der Schlammentfernung sowohl Muscheln als auch Fische eingesetzt.

Auch soll durch die Filtertätigkeit der Muscheln die Wasserqualität verbessert werden. Der NABU Hessen hat ein gleiches Projekt am Klesberger Weiher  bei Steinau, zwischen Vogelsberg und Spessart. Inzwischen entwickeln sich die Tiere in den neuen Lebensräumen sehr gut. Wieder gut entwickeln sich auch die Populationen in der Nidda und der Wetter. Daran sind die jahrelangen und erfolgreichen Renaturierungsmaßnahmen – so Fischfachmann Gottfried Lehr – "schuld".

Richard Schmidt  

Das Bachneunauge

Das mini-aalähnlich aussehende Bachneunauge ist ein uraltes Tier, dessen Entwicklung schon vor ca 5oo Millionen Jahren (?) begann. Es gehört zu den Rundmäulern. Das sind keine echten Fische, denn die Neunaugen haben statt Kiefern nur einen mit Hornplatten versehenen Saugmund, und die sieben Löcher hinter dem Auge sind die Kiemenöffnungen. Petromyzon (Lampetra) planeri, so sein lateinischer Name wird nur etwa 20 Zentimeter lang.

Die zweiflossigen und dunkel-graugrünen Neunaugen laichen im Frühsommer in den Oberläufen unserer Bäche und sind dort ein grundsätzlicher Indikator für sauerstoffreiche und ökologisch einigermaßen intakte Gewässer. Beim Laichen werden im sandigen oder kiesigen Grund unter welligen Körperbewegungen beider Geschlechter Mulden geschlagen, in die das weibliche Tier seinen Rogen abgibt. Die Larven, Querder genannt, leben mehrere Jahre an ruhigen Bachstellen und ernähren sich von Kleinorganismen und Algen. Danach erst entwickeln sich der Saugmund und die Augen, die Tiere werden geschlechtsreif und die Verdauungsorgane verlieren ihre Funktionen; sie zehren jetzt von ihren Reserven. Nach einer kurzen Ruheperiode laichen die Tiere ab, und die Weibchen sterben etwa zwei Wochen danach. Die Milchner (Männchen) haben dann allerdings noch eine Galgenfrist von bis zu 40 Tagen.

Das Bachneunauge hat in Europa ein riesiges Verbreitungsgebiet, von Irland bis nach Finnland und von Italien bis nach Russland. Trotzdem sind sie sehr selten geworden; die Umweltverschmutzung und der teils katastrophale Zustand unserer Bäche haben in den letzten Jahren jede Menge Populationen vernichtet. In Hessen sieht die Situation aber nicht ganz so schlimm aus, es gibt in Mittelhessen doch noch einige besetzte Gewässer: die obere Lahn,  Wohra, Lüder und Felda; südlich des Mains hat man die Neunaugen wieder in der Rodau gefunden.

Auch die "Notgemeinschaft Usa" spricht von einer "kleinen Sensation", da es sich um das erste Vorkommen in einem Taunusbach, in der Region Ober-Mörlen, handele.

Richard Schmidt  

Die Schleie

Noch ist die in fast ganz Europa (mit Ausnahme des hohen Nordens) vorkommende Schleie in Deutschland nicht wirklich im Bestand gefährdet. Das liegt ganz sicher an der irren Anpassungsfähigkeit dieses gedrungenen Karpfenfisches, der hierzulande von den Brackwasserbereichen der Ostsee über Flüsse und Seen bis in die Forellenregionen der Bäche vorkommt. Tinca tinca ist sehr widerstandsfähig gegenüber Sauerstoffmangel und saurem Wasser. Wird das Wasser dann zu warm (über 28°), nimmt die Schleie keine Nahrung mehr auf und fährt den Sauerstoffverbrauch und damit den Stoffwechsel stark zurück. Außerdem ist der Fisch in der Lage, monatelang zu hungern.

Nur Überdüngung und der Gewässerausbau beeinträchtigen noch seinen Lebensraum. Trotzdem hat das Land Hessen prophylaktisch eine Schonzeit vom 1. Mai bis zum 30. Juni vorgeschrieben. In Deutschland und in Österreich wurde die Schleie zum "Fisch des Jahres 2007" gekürt. Sie gehört zu den wenigen Fischarten, bei denen auch außerhalb der Laichzeit Milchner und Rogner (Männchen und Weibchen) deutlich unterschieden werden können. Der Rücken der Fische ist graugrün, die Seite eher oliv und der Bauch ganz hell. Das gilt besonders für Tiere in tiefen und krautig-verwachsenen Seen und Teiche, während die in flachen, weniger bewachsenen Gewässern deutlich heller sind. In Parkanlagen und Zierteichen sind auch schon goldfarbene Exemplare gezüchtet worden. Sie werden bis zu 40 Zentimeter lang und bis zu 2 Kilogramm schwer.

Von Mai bis Juli laichen die Schleien, wobei das Weibchen große Mengen winziger Eier an den Blättern der Wasserpflanzen absetzt. Spätestens nach acht Tagen schlüpft die Brut, bleibt aber anfangs noch an der Pflanze haften und schwimmt erst nach zwei Wochen auseinander. Kleinlebewesen von der Mückenlarve bis zur Alge gehören zu ihrem Speiseplan.
Um die Tiere vor einer Überfischung zu schützen, werden sie auch in künstlichen Teichen gezüchtet. So auch in den "Wasserwiesen" bei Rosenheim in Bayern. Hier haben Christa Höhensteiger und Bernhard Geschwendtner eine ökologisch betriebene, 20 Weiher große Fischfarm aufgebaut und nach "Naturland-Richtlinien" geführt.

In Deutschland ist die Schleie bis heute noch nicht so der ganz große gastronomische Renner, dafür aber schon immer in Frankreich. Vielleicht findet man mit der Öko-Schleie aus Bayern dann mal mehr als nur kleine Nischen - da sind jetzt gescheite Vermarktungs-Strategien gefragt.

Richard Schmidt 

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