Kreisverband Frankfurt

Die grüne Spielwiese für Mensch und Tier

Ebenezer Howard hat gesagt: „ Jede*r Bewohner*in sollte einen Garten besitzen […]“ (Fox-Kämper und Sondermann 2013: 49). Warum sollte man diesen dann nicht, zu einer Oase für Insekten, Vogel und Co. und sich selbst gestalten. Dadurch fördert man Bestäuber und erhält so ihre Aufgabe in der Natur.

Privater Naturgarten mit wildwachsenden Pflanzen.  (Judith Fast)

Der Garten spielt nicht nur in der Biologie, der Architektur und der Landschaftsgestaltung eine Rolle. Er wird auch oft in Gedichten und Büchern verwendet. Wer erinnert sich nicht an das Buch „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett und hat sich gewünscht auch so einen Garten zu haben, in dem man sich vor allem und jedem verstecken kann. Noch heute flüchten sich viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene, entweder im Film oder im Buch in den geheimen Garten.

Die Geschichte des Gartens, den wir heute kennen hat seinen Ursprung bei den Babyloniern (1200 bis 800 v.Chr.). Diese hatten schon prächtige Gärten, mit denen sie ihre Gottheiten ehrten. Eines der sieben Weltwunder der Antike „Die hängenden Gärten der Semiramis“ stammt aus dieser Zeit. Vom alten Griechenland mit seinen ländlichen Nutzgärten über die mittelalterlichen Klostergärten, in denen Hildegard von Bingen und später der Entdecker der Vererbung Gregor Mendel arbeiteten, bis hin zu den heutigen Parks, Schrebergärten und Hausgärten hat der Garten den wir heute kennen eine sehr lange und weitzurückreichende Geschichte. Und die Geschichte geht noch weiter. Denn vielleicht sehen in 100 Jahren unsere Gärten ganz anders aus als jetzt (Hering 2021).

Gärten sind für uns Erholungsplatz, Freizeitbeschäftigung und Spielwiese. Hier kann man abschalten und sich mit einem guten Buch in die Sonne legen. Man hat die Möglichkeit, verschiedene Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter anzupflanzen und sich somit selbst zu versorgen. Außerdem steigert ein Garten die Wohn- und Lebensqualität der Bewohner*innen und hat einen thermischen Einfluss auf die Umwelt (Fox-Kämper und Sondermann 2013: 49; Musy et al. 2017).
Ein weiterer Vorteil eines Gartens ist, dass man nicht nur eine Spielwiese für sich selbst schafft, sondern auch für viele verschiedene Tiere. Denn in einem schönen Naturgarten, welcher insekten- und umweltfreundlich ist, finden viele verschiedene Bestäuber, Vögel und Eidechsen ein zu Hause. Dies ist sehr wichtig, da die umliegende Landschaft mehr und mehr aufgeräumt und eintöniger wird und viele Tiere keinen Lebensraum und Nahrung finden (BMU 2021; BUND 2020). Die Gründe für das Zurückgehen der Arten, sind die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden und die Zersiedelung der landschaftlichen Flächen durch uns Menschen (BUND 2020). Deshalb finden sich immer mehr Tiere, auch viele Insekten, in der Stadt, da sie hier mehr Nahrung und Nistplätze finden als auf dem Land (Baumgartner und Loritz 2011).

Wenn uns klar wird, dass wir mit den Tieren, egal ob es Vögel, Insekten, Eidechsen, etc. sind, in einer Symbiose, also einer Partnerschaft mit gegenseitigem Vorteil leben, dann entwickeln wir ein ganz anderes Verständnis für die Natur mit ihren kleineren und größeren Lebewesen. Denn ca. 80% unserer einheimischen Blütenpflanzen sind auf die Fremdbestäubung angewiesen (Baumgartner und Loritz 2011). Würde diese Ökosystemdienstleistung wegfallen, dann müssten wir einen sehr hohen Preis bezahlen, um morgens beim Frühstück vor Marmelade, Obst, Gemüse, Kaffee, Kakao und Saft zu sitzen. Für das Jahr 2015 wurde die Bestäubungsleistung weltweit auf einen Marktwert von 235 bis 577 Milliarden US-Dollar geschätzt (Meerheim und Nuß 2020). Und dieser Wert ist nicht gerade klein.

Wenn Sie jetzt sagen, ja ich will meinen Garten bienenfreundlicher machen, dann würde ich sagen, dass finde ich sehr schön, aber was ist mit den anderen Insekten und Tierarten. Denn nicht nur die Honigbiene ist für die Bestäubung von vielen Pflanzen zuständig. Auch Wildbienen, wie z.B. die Hummel, Schmetterlinge, Käfer und Fliegen bestäuben verschiedene Pflanzen. Aus diesem Grund bin ich für eine insektenfreundliche Gartengestaltung, die für viele verschiedene Insektenarten und andere Tierarten förderlich ist und nicht nur für Bienen.

Bei der Gestaltung und dem Anlegen eines insekten- und umweltfreundlichen Gartens muss man ein paar Dinge beachten. Aber generell sind Sie bei der Ausführung, also wo etwas hin soll oder passt sehr frei, denn es ist Ihr Garten und Sie müssen sich auch wohlfühlen, nicht nur die Tiere. Und nachdem alles fertig ist, haben Sie ihren Garten in eine Oase für Mensch und Tier verwandelt und leben im Einklang miteinander. So kann jede*r Bürger*in durch eine geeignete Gartengestaltung einen Rückzugsort für verschiedene Tiere schaffen und diesen ein zu Hause in der Stadt geben (LfU 2018).

Naturgarten

Schöner Naturgarten mit viel Artenvielfalt. 

Grüne Zäune als Lebensraum für Tiere

Wenn man einen Garten hat muss man ihn auch zu den anderen Grundstücken abgrenzen. Diese Abgrenzung erfolgt oft durch Zäune in vielen verschiedenen Formen und Farben. Eine weitere Möglichkeit zur Abgrenzung und „Einzäunung“ des Gartens bieten Hecken. In vielen Gärten, in denen Hecken als Zaun verwendet werden, sind sie akkurat zugeschnitten, einheitlich groß und sind meist aus Ziergehölzen, wie Kirschlorbeer und Thuja. Diese bieten jedoch keinen geeigneten Lebensraum für die heimische Tierwelt. Heimische Gehölzarten, wie Weißdorn, Hainbuche, Feldahorn, Schlehe oder heimische Wildobstbäume bieten hingegen geeignete Lebensräume und eine gute Nahrungsquelle für Insekten (Engelschall 2016). Gerade beerentragende Sträucher bieten nicht nur Insekten ein Zuhause und Futter, sondern auch Vögeln, die ihre Jungen während der Aufzucht auf pflanzliche Nahrung umstellen. Außerdem sind gerade Dornensträucher, wie die Schlehe oder der Weißdorn gute Rückzugsorte für Bodenbrüter und Igel, die sie vor Katzen und Hunden schützen (Engelschall 2016). Zur Förderung und dem Schutz dieser Tiere, sollten die Hecken nicht so oft geschnitten werden, damit sie Blüten und Früchte ausbilden. Außerdem ist es sogar, aus Sicht des Artenschutzes, verboten von März bis Anfang Oktober Hecken zu beschneiden. Erlaubt sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte, um den Zuwachs der Pflanze zu verhindern. Gleichzeitig sollte man das Herbstlaub und andere Pflanzen unter den Hecken belassen und nicht entfernen.
Mit heimischen Gehölzarten, etwas Pflege und dem Lauf der Natur hat man nach einiger Zeit einen belebten Zaun, die Hecke, mit vielen Insekten und Vögeln. Und vielleicht gesellt sich ja auch ein Igel dazu. Für mich klingt dieser Zaun viel besser, als einer aus Draht oder ein bemalter Holzzaun.

Der grüne Teppich des Gartens

Margeritenwiese im Garten Margeritenwiese im Garten  (Kapa65 / pixabay)

Der Rasen ist meist mit eines der Aushängeschilder für einen gepflegten und schönen Garten. In vielen Gärten ist er satt grün und sehr kurz abgemäht, dazu passen dann auch die sehr akkurat geschnittenen Hecken. Aber sollte diese Art von Garten überhaupt ein Aushängeschild sein? Meine Meinung ist zu diesem Thema geteilt. Jeder Garten hat seine Vor- und Nachteile und hierbei spielt Zeit, Interesse und Wissen eine große Rolle. Ich bin der Meinung, dass der Rasen nicht akkurat und kurz abgemäht sein muss, damit der Garten schön aussieht. Aber wenn jemand einen Teil des Gartens „schön“ abmäht und in einem anderen Teil Wildblumen wachsen und alles für einen geeigneten Insektenlebensraum vorhanden ist, dann finde ich das akzeptabel. Die Entwicklung zu einem Naturgarten hin ist erst am Anfang und wir Menschen schwimmen gerne und meist mit dem Strom.

Für einen geeigneten Naturgartenrasen, sollte eine heimische Rasenmischung mit 10-20 % Kräutern verwendet werden, da diese trittfest sind und sich auch für Flächen eignen, die weniger intensiv genutzt werden (Engelschall 2016). Die Mischung der Pflanzen auf dem Rasen sollte aus Dauer-, Früh- und Spätblühern bestehen, da dadurch auch schon Mauerbienen, die früh im Jahr schlüpfen, Nahrung finden. Es ist wichtig, dass Sie bei der Auswahl der Mischung darauf achten, dass viele mehrjährige Pflanzen enthalten sind, da Sie sonst nach 1-2 Jahren neu aussäen müssen.

Schnipp, Schnapp, Rasen ab! - So einfach?

Rasenmäher Rasenmäher auf einer Wiese mit Wildblumen  (congerdesign / pixabay)

Ein wichtiger Aspekt bei der Anlage einer Rasenfläche ist, die Mähhäufigkeit. Damit die verschiedenen Pflanzen aus der Mischung Zeit für ihre Blüte haben sollte der Rasen maximal zweimal pro Jahr mit einem höheren Bodenabstand gemäht werden. Die Erstmahd, also das erste Mähen, sollte nicht vor Juni stattfinden, da man sonst die Überwinterung vieler Insekten sowie die Samenreife von Blütenpflanzen verhindert (Gorthner 2021). Die Erstmahd kann natürlich auch noch Anfang Juli erfolgen, was aber abhängig von den Temperaturen im Frühling ist. Die zweite Mahd kann dann zwischen Mitte September und Ende Oktober erfolgen. Danach sollte man nicht mehr mähen. Ein wichtiger Aspekt beim Mähen ist, nicht die gesamte Fläche anzumähen. Lassen Sie Wiesenbereiche ungeschnitten stehen. Diese fungieren dann als Refugium und Schutzgebiet für Fluchttiere, die vor dem „großen Mäher“ flüchten (BUND 2016; Gorthner 2021). Beim nächsten Mähen können Sie dann diesen Bereich wieder mit mähen, dafür lassen Sie dann einen anderen Abschnitt ungemäht. So schaffen Sie Inseln für die Insekten, in denen sie nach der Mahd Nahrung und Zuflucht finden.
Am geeignetsten für das Mähen mit einem höheren Bodenabstand sind die Sense oder ein Balkenmäher. Diese sind sehr tierschonend und eigenen sich für verschieden große Flächen. Die Sense ist ideal und für kleine Flächen geeignet. Falls Sie jedoch, trotz eines kleinen Gartens einen Mäher bevorzugen, würde ich den Balkenmäher empfehlen. Er ist zwar etwas teurer als andere Mähgeräte, aber durch seine Balkenbreite und die Wahl des Bodenabstandes sehr geeignet für eine tierfreundliche Mahd. Die Insekten können sich nämlich hier wegducken oder ausweichen, was ihnen bei anderen Geräten, wie einem Rasenmäher oder Mähroboter nicht möglich ist (Gorthner 2021). Ein Nachteil ist, dass Balkenmäher den Abschnitt meist nicht auffangen. Dieser sollte nach einigen Tagen Trocknung abgerecht werden, denn sonst erhöhen sich die Nährstoffe im Boden und die nährstoffarmen Pflanzen können nicht mehr auf dem Rasen gedeihen.

Blumen- und Hochbeete - Insektenbuffets mit heimischen Pflanzen

Hochbeet Hochbeete mit Chilipflanzen und Kräutern  (Andreas Goellner / pixabay)

Blumen- und Hochbeete sind ein idealer Ausgleich zur einfachen Rasenfläche und bieten eine tolle Möglichkeit Insekten und andere Tiere, wie Vögel zu fördern. Außerdem können sie als erster Schritt zu einem Naturgarten dienen, wenn man noch nicht bereit ist für andere Veränderungen.

Durch das Anlegen eines Wildblumenbeetes kann man gezielt Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel fördern (Engelschall 2016). Man sollte beim Anlegen eines Wildblumenbeetes darauf achten wie die Sonneneinstrahlung an dieser Stelle ist, denn jede Pflanze hat eine andere Präferenz. Zum Beispiel lieben die Katzenminze und der Wiesen-Storchschnabel einen sonnigen Standort. Wohingegen die Glockenblume und die Akelei besser im Halbschatten gedeihen. Es gibt auch Pflanzen, wie den Wald-Ziest, welche einen schattigen Ort bevorzugen (BMU 2021). Im Internet gibt es die Möglichkeit eine Wildblumenmischung mit heimischen einjährigen und mehrjährigen Pflanzen zu erwerben. Beim Bepflanzen des Beetes sollte man darauf achten, dass keine torfhaltige Blumenerde verwendet wird, da diese zu nährstoffreich für die Wildblumen ist. Sie können eine magere Erde für das Beet mit einem Drittel Lehm, Kompost und Sand selbst herstellen (BMU 2021). Falls Sie doch schon Blumenerde gekauft haben, können Sie diese durch Zugabe von Sand und Kies magerer machen (BUND 2016). Generell sollte bei der Erde auf eine torffreie Variante zurückgegriffen werden, da man so auch noch das Ökosystem Moor schützt, in dem viele verschiedene und auch bedrohte Tierarten leben. Sie können in dem Wildblumenbeet zusätzlich noch heimische Stauden und Kräuter pflanzen. Als Stauden eignen sich Glockenblume, Fetthenne, Katzenminze oder Aster (Gartenwerk Ruhr 2020). Durch die Mischung von Wildblumen, Stauden und Kräutern ist das Beet sehr arten- und sortenreich und blüht vom Frühjahr bis in den späten Herbst. Denn hier fliegen die meisten Bestäuber, welche dadurch Nahrung und Unterschlupf finden.

Bei der Auswahl der geeigneten Pflanzen, für den Garten, ist es wichtig ungefüllte Blüten zu nehmen. Diese haben mehr Nektar und Pollen als gefüllte Blüten (z.B. Chrysanthemen) und eignen sich dadurch wesentlich besser als Nahrungsquelle für Bestäuber (BUND). Bei der Unterscheidung und der Auswahl können Ihnen Gärtner*innen und Expert*innen für Naturgärten weiterhelfen.

Falls im Garten weniger Platz für ein Beet ist oder Sie zusätzlich zum Wildblumenbeet noch etwas anpflanzen möchten, können Sie auf Hochbeete zurückgreifen. Es gibt viele verschiedene Varianten von Hochbeeten im Handel oder auch als Anleitung zum Selbstbauen, falls Sie auch so gerne Heimwerkern wie ich. Ein Hochbeet ist gerade bei Rückenproblemen eine gute Alternative, da man sich weniger tief bücken muss. In ein Hochbeet können Sie natürlich genauso gut eine heimische Wildblumenwiese pflanzen, wie in einem normalen Beet. Der Vorteil bei einem Hochbeet ist, dass Sie nicht von der umgebenden Erde abhängig sind und in jedem eine andere Nährstoffbedingung schaffen können. Dadurch kann ein Beet mit magerer Erde und Wildblumen direkt neben einem Beet mit nährstoffreicher Erde und Gemüse stehen.

Sie können also mit Hilfe Ihres Gartens zum/zur Selbstversorger*in werden. Und dabei rede ich nicht nur von Obst und Gemüse, denn man kann noch kleiner anfangen. Bestäuber lieben verschiedene Kräuter, wie echten Salbei, Rosmarin, Oregano, Thymian, Bärlauch, Basilikum, Schnittlauch und Kapuzinerkresse. Noch beliebter werden diese Kräuter, wenn Sie sie blühen lassen. So kann man sich im Garten eine kleine Kräuterlandschaft schaffen, von der nicht nur wir beim Kochen profitieren, sondern auch die Insekten.
Eine weitere sehr beliebte Pflanze unter Bestäubern ist der Echte Lavendel. Der Echte Lavendel ist zwar eine Zierpflanze und damit eigentlich eher ungeeignet für Bestäuber, jedoch machen diese hier eine Ausnahme. Wer ist noch nicht im Frühjahr oder Sommer an einem Lavendelstrauch vorbeigelaufen und hat das rege Treiben von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen, etc. an diesem bemerkt. Aus diesem Grund, finde ich, sollte man in jedem Garten Lavendel finden.

Neben Kräutern, Wildblumen und Lavendel kann man außerdem auch noch Gemüse- und Obstsorten anpflanzen. Von Kürbis über Zwiebeln bis hin zu Tomaten und Erdbeeren ist alles möglich. Jedoch sollten Sie bei der Auswahl der Pflanzen auch auf ihre Saison achten. Eigentlich gedeihen alle Kulturpflanzen auch im Hochbeet, es kommt nur darauf an, wie viel Platz sie benötigen. Die Kosten und der Pflegeaufwand hängen von der jeweiligen Kulturpflanze ab. Es gibt Pflanzen, welche mit wenig Pflege auskommen und dann gibt es Exemplare die viel Aufmerksamkeit benötigen. Zum Beispiel gedeihen Tomaten (mit einem Klettergitter) und Pflücksalate sehr gut in Hochbeeten. Wohingegen man Kürbisse eher in einem Bodenbeet einpflanzen würde. Bei der Auswahl der Pflanzen und der geeigneten Pflege können ihnen auch Gartenexperten*innen weiterhelfen. Zu empfehlen sind auch verschiedene Gartenforen im Internet.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Aufbau eines Gartens ist ein Komposthaufen. Durch das Anlegen eines Komposthaufens kann man Gartenabfälle und Biomüll natürlich entsorgen. Außerdem ist er ein Tummelplatz für viele verschiedene Insekten und kleine Lebewesen. Des Weiteren bekommt man durch ihn auch noch frischen nährstoffreichen Humus. Eine weitere Möglichkeit, falls man keinen Platz für einen Komposthaufen hat, ist die Flächenkompostierung. Hierbei werden verschiedene organische Materialien, wie z.B. Laub, Grasschnitt, getrocknete Beikräuter, Kartoffelschalen, etc. auf die Beete aufgebracht. Diese werden dann, genau wie bei der Kompostierung von Regenwürmern und Bodenorganismen abgebaut. Durch den Abbau entsteht Humus, welcher den Boden verbessert. Gleichzeitig wird der Boden und damit die darin befindlichen Pflanzen auch noch gedüngt. In Hochbeeten sollte man, auch aus diesem Grund, immer dafür sorgen, dass Bodenorganismen vorhanden sind.

Durch diese Vorteile ist die Flächenkompostierung eine super Alternative zu einem Komposthaufen und man muss keine Miete (Umrandung/ Behältnis für Komposthaufen) bauen. Durch die Kombination von Flächenkompostierung und Bodenlebewesen wird der Boden belüftet, aufgelockert und gedüngt und das ganz ohne Kunstdünger.

Jedoch sind nicht nur Bodenlebewesen für die Pflanzen wichtig. Es gibt auch Lebewesen die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln obsolet machen. Im nächsten Abschnitt erfahren Sie mehr über diese Insekten und auch wie Sie die Tiere in ihrem Garten unterstützen können.

Hochbeete mit Gemüsepflanzen

Beispiel für Hochbeete, wie man sie auch im Garten aufstellen und bepflanzen kann. 

Hilfe für Insekten und andere Tiere im Garten

Die Anlegung von verschiedenen Beeten und die Arten- und Sortenreichtum tragen sehr stark zur Förderung von Insekten und Vögeln bei. Aber eine Förderung bezieht sich meist nicht nur auf einen Punkt, sondern auf mehrere. Will man ein Naturgartenbiotop schaffen, dann ist es wichtig noch auf andere Methoden zurückzugreifen, wie die Art der Schädlingsbekämpfung an den Pflanzen, das Bauen und Aufhängen von Nisthilfen für Insekten und Vögel sowie das Installieren einer kleinen Tränke und eines Komposthaufens.

Insekten als Schädlingsbekämpfer

Schädlinge sind immer einer Frage der Perspektive. Jedes Tier hat seine Berechtigung und Nutzen auf unserem Planeten. Im allgemeinen bezeichnen wir Tiere, meist Insekten, die unseren Pflanzen „schaden“, indem sie sie anfressen, als Schädlinge oder Schadorganismen. Ich weiß, dass nicht jede*r diese Tiere als Schädlinge sieht, gerade im Hinblick auf einen Naturgarten, jedoch bin ich der Meinung, dass dieser Aspekt mit dazu gehört. Um die Kommunikation zu vereinfachen, spreche ich in diesem Teil von Schädlingen, also allen Insekten, welche die Pflanze beschädigen.

Auf dem Markt gibt es viele Pflanzenschutzmittel die vollen Erfolg bei Schädlingen versprechen. Nur leider haben sie meist auch eine durchschlagende Wirkung bei den Insekten, die sie nicht treffen sollten, wie zum Beispiel den Bestäubern oder anderen nützlichen Insekten. Dies habe ich, während verschiedenen Versuchen in meiner Masterarbeit selbst erlebt. Innerhalb der Experimente habe ich verschiedene Pflanzenschutzmittel hinsichtlich ihrer Effekte auf Nützlinge untersucht und die meisten hatten eine tödliche Wirkung.
Gerade in den letzten Jahren gelangt man in der Politik mehr und mehr zur Einsicht, wie gefährlich verschiedene Pflanzenschutzmittel für unsere Insekten sind und fängt an sie zu verbieten (Bsp. Neonikotinoide, Glyphosat). Eine Schädlingsbekämpfung die ungefährlich für unsere Bestäuber ist, ist der Einsatz von Nützlingen. Dabei werden im Garten gezielt Nützlinge gefördert, die sich dann von den Schädlingen ernähren oder diese parasitieren. So kann die Anzahl der Schädlinge ohne chemische oder biologische Mittel dezimiert werden. Zwei der bekanntesten Schädlingsbekämpfer sind der Marienkäfer und der Ohrenkneifer, welche Blattläuse oder Raupen fressen (Engelschall 2016). Durch kleine Stein- und Reisighaufen, Totholz oder das Aufhängen von umgedrehten Blumentöpfen mit Heu, kann mit einfachen Mitteln ein Wohnraum und Überwinterungsquartier für Nützlinge geschaffen werden. Damit wird der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Garten überflüssig. Falls die Ansiedlung der Nützlinge auf diese Weise nicht gelingt, kann man ihre Eier auch in kleinen Briefchen im Internet bestellen und an die Pflanzen hängen.
Außerdem können Sie zum Schutz ihrer Beete Schneckenzäune einsetzen. Des Weiteren gibt es effektive Kombinationen aus verschiedenen Pflanzen, wie z.B. Lavendel bei Rosen oder Zwiebeln bei Möhren, die gegen Schädlinge helfen. Bei wenig Befall hilft auch sehr gut das Entfernen von Schädlingen und der befallenen Pflanzenteilen zur Eindämmung. Falls doch ein Mittel notwendig sein sollte, dann können Sie Brennnesseljauche oder Neemöl verwenden (BMU 2021).

Biete Einzimmerwohnung mit artenreichem Garten

Zur Förderung von Insekten und Vögeln, welche dann auch Insekten als Nahrung vertilgen, eignen sich sehr gut verschiedene Arten von Nistkästen. Diese kann man ganz einfach selbst bauen. Gerade für Wildbienen sind Nistkästen sehr förderlich. Und keine Angst, die meisten Wildbienenarten sind Einzelgänger und völlig ungefährlich für Menschen (Engelschall 2016).

Eine Nisthilfe zu bauen ist viel einfacher als man denkt und man kann das Basteln mit einem schönen Tag mit den Kindern, Enkeln oder Freunden im Garten verbinden. „Einfach zu bauende Nisthilfen können mit Hilfe von senkrecht angebrachten, markhaltigen Pflanzenstängeln, Schilfhalmen, Bambusröhren oder in Hartholz gebohrten Röhren hergerichtet werden“ (Zitiert aus Hölzel et al. 2020). Der BUND hat viele Anleitungen zum Bau von Nisthilfen für Wildbienen und Vögel auf seiner Homepage bereitgestellt (s. Marginalie rechts an der Seite). Sie können Nisthilfen natürlich auch käuflich erwerben. Jedoch sollten Sie dabei darauf achten, dass sie zertifiziert sind und wirklich effektiv. Am besten kaufen Sie sie entweder beim BUND oder dem NABU.

Das kühle Nass

Viele Menschen beherbergen in ihrem Garten nicht nur Landlebewesen, sondern erfreuen sich auch an einem kleinen Teich mit Fischen. Ein Teich im Garten ist ein Lebensraum für viele Insekten, wie zum Beispiel, Wasserkäfer oder Libellen. Mit Steinen und schwimmenden Holzelementen ist er ideal zum Landen für Insekten. Jedoch sollte man dabei auf die Fische verzichten, da diese einer Förderung von Insekten im Garten hinderlich sind (BMU 2021). Falls kein Teich besteht und Sie auch kein Interesse haben einen anzulegen, was ich gut verstehen kann, dann reicht auch schon eine flache Schale mit Wasser an einem windgeschützten, sonnigen, bepflanzten Bereich aus. Diese ist, wenn sie mit ein paar Steinen und Schwimmelementen aus Holz ausgestattet ist, ideal als Insektentränke geeignet (Hölzel et al. 2020). Und vielleicht können Sie ja nach dem Aufstellen schon die ersten Schmetterlinge, Bienen, Wespen oder Käfer beim Trinken beobachten.

Warum sollte man ein Naturgarten einrichten?

Jetzt haben Sie viele Argumente für einen Naturgarten gehört und verschiedene Methoden, wie man einen Garten insekten- und umweltfreundlicher machen kann. Natürlich gibt es mit der Beleuchtung und anderen Aspekten noch wesentlich mehr Methoden, diese würden aber den Rahmen komplett sprengen.

Jedoch gibt es wie bei jedem Thema auch Nachteile an einem Naturgarten. Je nachdem, welche Pflanzen im Garten vorhanden sind, kann d er Pflegeaufwand des Gartens sehr hoch sein. Wie wir schon bemerkt haben ist das Mähen des Rasens zwar zeitintensiv, es findet jedoch nur zweimal im Jahr statt. Die Pflege von Stauden und heimischen Pflanzen ist meist nicht sehr aufwendig, da Stauden bspw. nur einmal im Jahr geschnitten werden müssen. Heimische Pflanzen sind winterhart und auch weniger anfällig für Pilze oder Schädlinge (LfU 2018). Die Pflege der Hecken ist durch das verminderte Schneiden und das Nichtentfernen des „Unkrauts“ unter den Hecken nicht sehr pflegeintensiv. Nur alle 5-10 Jahre sollten die Hecken zur Verjüngung kurz über dem Boden abgeschnitten werden. Jedoch ist hier die Brutzeit zu beachten.

Die Pflege der Gemüse- und Obstbeete hängt von den gepflanzten Arten ab. Hier können Sie sich im Fachhandel oder bei einem Gärtner/Gärtnerin beraten lassen.

Ein Punkt den ich Ihnen nicht verschweigen will, sind die Kosten. Zwar kosten Wildblumenmischungen oder Gemüsepflanzen nicht die Welt, jedoch wenn es mit Hochbeeten (selbstgebaut oder gekauft) und dem Bau von Nistkästen zusammen kommt, kann es schon etwas teuer werden. Ich würde Ihnen empfehlen: Fangen Sie langsam an, legen Sie zuerst vielleicht ein Wildblumenbeet mit heimischen Stauden, Kräutern und Wildblumen an oder bauen Sie ein Hochbeet und pflanzen Gemüse. Sie müssen nicht alles auf einmal erledigen, wenn Sie einen Naturgarten schaffen wollen, denn Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Lassen Sie sich Zeit und gestalten Sie ihren Garten mit Ihrem ganz persönlichen Touch und Stil. Denn auch ihr Garten spiegelt Sie in einer Art und Weise wieder. Und machen Sie es nicht alleine, denn jeder der Zugang zum Garten hat, kann helfen und gleichzeitig davon profitieren. Werden wir alle zu Naturgärtnern und schaffen kleine Oasen für Mensch und Tier.

 


 

Quellenverzeichnis

Baumgartner, U., Loritz, H. (2011): Wege zu einer Blühenden Landschaft 2011.
BMU (2021): Insektenfreundlich gärtnern - Praktische Tipps für Ihr Zuhause. 2021.
BUND (2020): Wie helfe ich den Wildbienen? Kleine Tierchen mit großer Wirkung 2020.
BUND (2016): Wie helfe ich den Schmetterlingen? Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung. Heilberufe 68 (12): 74.
BUND: Pflanzen für Wildbienen. Bienenweiden für Garten und Balkon.
Engelschall, B. (2016): Grüne Vielfalt in Wohnquartieren. Für mehr Natur in der Stadt. Hamburg: 40 S.
Fox-Kämper, R., Sondermann, M. (2013): Strategie Grüne Stadt. Ansätze kommunaler Grünentwicklung 2013.
Gartenwerk Ruhr (2020): Fensterplatz 2020 (3): 20.
Gorthner, A. (2021): Gorthner-Insektenfreundliche-Gruenlandpflege 2021.
Hering, C.-P. (2021): Die Geschichte der Gartenkunst (gesehen am: 20.05.2021).
Hölzel, C., Heil, A., Gaude, A. (2020): Insekten schützen! Eine Anleitung für Garten, Haus und Alltag 2020.
LfU (2018): Umweltschutz im Alltag. Insektenfreundlicher Garten.
Meerheim, F., Nuß, M. (2020): Auswahlkriterien für Pflanzenarten zur Förderung sächsischer Wildbienen und Ableitung einer Pflanzenartenliste. Sächsische Entomologische Zeitschrift 10/2020.
Musy, M., Malys, L., Inard, C. (2017): Assessment of Direct and Indirect Impacts of Vegetation on Building Comfort: A Comparative Study of Lawns, Green Walls and Green Roofs. Procedia Environmental Sciences 38: 603-610.