Kreisverband Frankfurt

Der Balkon - eine Insektenoase in jeder Höhe

gemalter Balkon Gemalter, reich bepflanzter Balkon  (ractapopulous / pixabay)

Sie haben keinen Garten, aber einen Balkon, dann sind Sie in diesem Blogartikel genau richtig. Denn jede*r mit einem Balkon oder Privatgarten sollte Nahrung und Lebensraum für unsere Tierwelt anbieten, um diese zu fördern. Zwar ist auf einem Balkon weniger Platz als in einem Garten, doch kann man diesen Platz effektiv nutzen, um eine Oase für sich und Insekten zu schaffen.

Die Arbeit der Bestäuber ist sehr wichtig und ohne sie würden wir einen hohen Preis bezahlen, um morgens vor Kaffee, Kakao, Marmelade, Obst und Gemüse zu sitzen. Allein für das Jahr 2015 wurde die Bestäuberleistung weltweit auf 235 bis 577 Milliarden US-Dollar geschätzt (Meerheim und Nuß 2020). Das macht Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. zu essentiellen Bestandteilen unseres Lebens. Aus diesem Grund sind Gärten und Balkone so wichtig für die Förderung von Insekten. Denn wie verlockend ist die Vorstellung bei Sonnenschein mit einem kalten Getränk auf einem schön bepflanzten Balkon zu sitzen und den Insekten beim Besuchen der verschiedenen Blüten zuzusehen, mit dem Wissen, dass man ihnen dabei geholfen hat.

Wildblumen auf den Balkon

Eine Blumenwiese sollte sich in jedem Balkon oder Garten finden. Doch wie bekommt man eine Wiese auf den Balkon? Ganz einfach mit einem Blumenkasten oder Kübel. Hier kann man eine heimische Wildblumenmischung aussäen. Wildblumen sind sehr attraktiv für vielerlei Insekten und auch für Vögel (Engelschall 2016). Sie bestehen aus verschiedenen heimischen Wildblumen Stauden und Wildkräutern. Darüber hinaus sind sie ungefüllt und bieten dadurch mehr Nahrung (Pollen und Nektar) für Insekten als gefüllte Pflanzen, wie z.B. Chrysanthemen (BUND). Bei der Auswahl der Wildblumenmischung sollten Sie darauf achten, wie Ihr Balkon exponiert ist, also wie die Sonneneinstrahlung ist. Denn jede Pflanze bevorzugt eine unterschiedliche Sonneneinstrahlung. Von sonnig (z.B. Katzenminze, Wiesen-Storchschnabel) über halbschattig (z.B. Glockenblume und Akelei) bis hin zu schattig (z.B. Wald-Ziest) (BMU 2021). Idealerweise sollte die Wildblumenmischung aus einjährigen und mehrjährigen heimischen Pflanzen bestehen, damit Sie nicht nach 1-2 Jahren neu aussäen müssen. Dadurch wird auch die Vielfalt der Arten größer und es wird attraktiver für die Besucher. Gleichzeitig sollte die Mischung Früh- und Spätblüher enthalten. Dadurch stellen Sie sicher, dass vom Frühjahr bis in den späten Herbst etwas auf ihrem Balkon blüht. Denn in diesem Zeitraum sind die Bestäuber aktiv (BMU 2021).

Verschiedene Stauden sind auch sehr attraktiv für Bestäuber. Der Lavendel z.B. ist zwar eine Zierpflanze und damit eigentlich nicht geeignet für einen Naturbalkon, jedoch belehrt uns hier die Natur eines Besseren. Wer ist im Frühling oder Sommer noch nicht an einem Lavendelstrauch vorbei gelaufen, um den sich viele verschiedene Insekten tummelten. Meiner Meinung nach gehört auf jeden Balkon und in jeden Garten mindestens eine Lavendelpflanze.

Die Erde für die Wildblumenmischung ist auch entscheidend, da die meisten heimischen Wildblumen am besten auf nährstoffarmen und mageren Böden gedeihen (BUND 2016). Dafür kann man entweder Blumenerde verwenden und diese mit Sand und Kies abmagern oder man mischt sich seine magere Erde selbst. Das geht ganz einfach, aus einem Drittel Kompost, Lehm und Sand (BMU 2021). Achten Sie auf die Verwendung von torffreier Blumenerde, dadurch schützen Sie die Moore und die Vielzahl von Insektenarten die in diesen Leben (BMU 2021).

"Ein italienischer Balkon"

Wer stand nicht schon mal vor einem Kräuterbeet oder in der Kräuterabteilung eines Gartenfachhandels und hat sich gefühlt, als wäre man direkt in Italien. Egal ob Thymian, Salbei, Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Kresse, Melisse , Kapuzinerkresse oder Borretsch, alle diese Kräuter sind besonders interessant und lecker für Bestäuber und ziehen sie magisch an (Hölzel et al. 2020). Jedoch nur wenn diese Kräuter auch blühen und ihre volle Pracht entfalten können. Also lassen Sie die Kräuter blühen und schneiden nicht alles ab, dann alle etwas davon. Durch die Anlage eines Blumenkastens mit verschiedenen Kräutern erhöht man nicht nur die Artenvielfalt auf dem Balkon und lockt Bestäuber an, man hat außerdem noch geeignete frische Kräuter zum Kochen direkt da. Und jede*r Hesse/Hessin hat an den Kräutern erkannt, dass man schon 4 der 7 Kräuter für eine Grüne Soße hat. Noch ein Grund mehr ein Kräuterbeet anzulegen.

Selbstversorger mit Obst und Gemüse auf dem Balkon

Tomaten an einem Klettergitter auf einem Balkon  (heibergerwork / pixabay)

Neben Kräutern kann man auch verschiedene Gemüse- und Obstsorten auf einem Balkon anpflanzen. Egal ob Tomaten, Erdbeeren, Salat oder Paprika, es ist vieles möglich. Es gibt leider nur eine Beschränkung, den Platz. Beim Anpflanzen von Kulturpflanzen auf dem Balkon muss man sehr auf die Größe der verschiedenen Kübel und Kästen achten, da jede Pflanze eine anderes „zu Hause“ braucht. Zucchini brauchen zum Beispiel sehr große Kübel, wohingegen Erdbeeren auch in einem kleineren Kübel oder einem Blumenkasten gedeihen. Bei der Auswahl der Pflanzen für Ihren Balkon können Ihnen auch die Gartenexperten*innen weiterhelfen.

Auf dem Balkon hat man leider keinen Platz einen Komposthaufen anzulegen, um Bio- und Gartenabfälle zu kompostieren. Eine Alternative ist jedoch eine kleine Wurmkiste, in der Bodenlebewesen, etwas Humus und Abfälle enthalten sind. Diese Kiste muss nicht sehr groß sein. Der Nachteil ist jedoch, dass man dadurch auch weniger Humus durch die Kompostierung bekommt. Eine weitere Option ist die Flächenkompostierung. Hier werden verschiedene organische Materialien (Kartoffelschalen, Laub, Grasschnitt, etc.) auf die Erde aufgebracht, welche dann von den Bodenlebewesen abgebaut werden. Dadurch wird Humus gebildet und die Pflanzen werden gedüngt. Diese Variante, könnte aber nur bedingt funktionieren, da sich in Blumenkästen und Kübeln viel weniger Bodenlebewesen befinden als im eigentlichen Boden. Ein Versuch ist es dennoch wert. Man lernt durch das Ausprobieren und Versuchen, bis man die richtige Technik gefunden hat. Also vielleicht packen sie in ihre Blumenkästen und -kübel einfach mal ein paar Bodeninsekten und schauen was passiert. Egal wofür Sie sich entscheiden, bei Fragen können Ihnen auch immer die Gartenexperten*innen weiterhelfen.

Insekten als natürliche Schädlingsbekämpfung

Der Begriff Schädlinge und die damit verbundenen Insekten ist immer subjektiv zu betrachten, da jede*r eine andere Perspektive hat. Um die Kommunikation zu vereinfachen spreche ich hier von Schädlingen. Diese umfassen alle Insekten, die den Balkonpflanzen schaden, indem sie diese z.B. anfressen.

Es gibt es viele verschiedene Methoden, Schädlinge zu vertreiben, einzudämmen oder zu töten. Von chemischen und biologischen Pflanzenschutzmitteln, die leider meistens einen sehr schlechten Effekt auf Bestäuber und andere Blütenbesucher haben, über mechanische Methoden, wie das Absammeln der Schädlinge bis hin zu der gezielten Förderung von nützlichen Insekten. Außerdem können auch verschiedene Pflanzenkombinationen, wie z.B. Lavendel neben einer Rose, dazu führen, dass sich auf der Pflanze wenige oder keine Schädlinge ansiedeln. Am besten für die Förderung von Bestäubern und nützlichen Insekten ist der Verzicht auf chemische und biologische Pflanzenschutzmittel. Stattdessen kann man mechanische Methoden, wie z.B. das Absammeln und Entfernen von befallenen Pflanzenteilen anwenden. Außerdem kann man durch das Anpflanzen von Wildblumen, Stauden und Wildkräutern gezielt Bestäuber, aber auch Nützlinge fördern und anlocken. Das Aufhängen von Nistmöglichkeiten kann auch zur Förderung von Nützlingen beitragen (Engelschall 2016). Des Weiteren hat man die Möglichkeit im Internet Nützlinge zu erwerben. Die Eier der Nützlinge, die dann gezielt spezielle Schädlinge eindämmen können, werden in einem Briefchen angeboten, welches man dann in die Pflanze hängen kann.

Ein Beispiel für Nützlinge sind Marienkäfer. Ihre Larven sehen Blattläusen sehr ähnlich. So können Sie sich in einer Blattlauskolonie gut tarnen und die Anzahl der Blattläuse verringern (Engelschall 2016). Dies hat einen besonderen Vorteil, denn die Marienkäferlarven können sich vor den Ameisen verstecken. Heutzutage kursiert immer noch bei einigen Menschen die Überzeugung, dass es gut ist, wenn Ameisen auf einer von Blattläusen befallenen Pflanzen sind. Diese Annahme ist jedoch falsch, denn jeder der früher Biene Maja geschaut hat weiß, dass Ameisen Blattläuse melken, um an den Honigtau zu gelangen. Aus diesem Grund leben Ameisen und Blattläuse in einer symbiotischen Beziehung. Die Ameisen bekommen Honigtau und die Blattläuse Schutz vor Räubern wie dem Marienkäfer.

Kühles Nass für Insekten und Vögel

Ein Teich oder eine Tränke/Wasserstelle trägt auch zur Förderung von Insekten bei. Da auf dem Balkon wenig Platz ist, eignet sich hier eine flache Schale oder eine Terrakotta Insektentränke mit Wasser, Steinen und Holzelementen zum „Landen“ der Nützlinge (BMU 2021; Hölzel et al. 2020). Diese sollte an einem windgeschützten, sonnigen Ort stehen.

Warum sollten Sie ihren Balkon insekten- und umweltfreundlich gestalten?

Grüner Balkon in Mainz Grüner Privatbalkon in Mainz  (Irina Peshatova)

Es sprechen viele Argumente und Gestaltungsideen für eine Oase für Insekten und Menschen auf einem Balkon. Jedoch stehen dem auch die Pflege der Pflanzen und die Kosten für die Einpflanzung gegenüber. Einen Balkon zu begrünen ist zwar günstiger, als einen Naturgarten zu schaffen, aber es kommt auch immer auf die verschiedenen Pflanzen und Blumenkästen an, die am geeignetsten für den Balkon sind. Leider ist auch das Schützen eines Ökosystems etwas teurer, da die torffreie Erde mehr kostet, als normale Blumen- oder Gemüseerde. Jedoch denke ich, dass die Investition in torffreie Erde und biologische/heimische Pflanzen es wert ist. Außerdem profitiert man vom Anbau verschiedener Kulturpflanzen. Dadurch kann man in der Küche stehen und einen selbstgemachten Tomatensalat mit Kräutern aus frischen Tomaten und Basilikum vom eigenen Balkon machen, oder einen Erdbeerkuchen mit selbstangebauten Erdbeeren.

Und Sie müssen ja auch nicht alles auf einmal umsetzen, wenn Sie sich für einen begrünten Balkon entscheiden. Sie können langsam anfangen, z.B. mit einer Tomatenpflanze oder Salat, oder Sie wandeln einen normalen Blumenkasten in eine Insektenoase mit heimischen Wildblumen. Die Gestaltung und der Anfang sind dabei ganz Ihnen überlassen.

Und die Vorstellung ist doch wirklich schön, nach einem harten Tag auf dem eigenen Balkon zu sitzen, mit den vielen verschiedenen Kräutern, Gemüse- und Obstpflanzen, auf dem Tisch ein kaltes Getränk und man genießt den Sonnenuntergang und schaut sich das Ökosystem an, welches man selbst geschaffen hat.

Ich denke gerade in dieser Zeit, in der uns noch klarer wird, durch Pandemien und Umweltkatastrophen, wie empfindlich und fragil unsere Erde und auch ihr Klima ist, kann jeder eine Oase für Insekten und andere Tiere auf dem Balkon, im Privatgarten oder im Vorgarten schaffen. Und diese neu geschaffenen Biotope werden hoffentlich in allen Städten und Ländern mithelfen, unsere Natur zu schützen und zu fördern, denn eine Person kann viel bewirken, aber viele schaffen noch mehr. In dem Sinne, sorgen wir dafür, dass aus unseren Städten wirkliche Großstadtdschungel werden und nicht nur metaphorisch.

Ambiente eines schön begrünten Balkons

Grüne Balkone bringen nicht nur mehr Natur in das eigene Leben, sondern auch in das Viertel und die gesamte Stadt. Gleichzeitig lernt man noch etwas, durch Do It Yourself, vom Gärtnern und über verschiedene Pflanzen. 

Quellenverzeichnis

BMU (2021): Insektenfreundlich gärtnern - Praktische Tipps für Ihr Zuhause. 2021.
BUND (2016): Wie helfe ich den Schmetterlingen? Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung. Heilberufe 68 (12): 74.
BUND: Pflanzen für Wildbienen. Bienenweiden für Garten und Balkon.
Engelschall, B. (2016): Grüne Vielfalt in Wohnquartieren. Für mehr Natur in der Stadt. Hamburg: 40 S.
Hölzel, C., Heil, A., Gaude, A. (2020): Insekten schützen! Eine Anleitung für Garten, Haus und Alltag 2020.
Meerheim, F., Nuß, M. (2020): Auswahlkriterien für Pflanzenarten zur Förderung sächsischer Wildbienen und Ableitung einer Pflanzenartenliste. Sächsische Entomologische Zeitschrift 10/2020.