Projekt 5: Gärtnern im Wohnumfeld

Für den Start dieses Projekts gab es zwei Auslöser:

1. Die Lektüre des Buchs „Guerilla Gardening“ von Richard Reynolds und
2. der Ärger über die lieblos „gepflegten“ Grünflächen der Liegenschaft, in der ich wohne.

Meine Überlegung war, dass sich aus dem Streifen Giersch bei der Zufahrt zu den Garagen etwas Besseres machen lassen müsste?! Anfang September 2014 wurde das Werk begonnen: Auf dem sonnigsten Teilstück des Streifens wurde der Giersch entfernt.

Dass die Aktion in mehrerlei Hinsicht ambitioniert war, war mir bewusst. Giersch zu beseitigen ist kein Pappenstiel. Die Fläche wurde umgegraben und jedes kleinste Fitzelchen Gierschwurzel aufgelesen. Anschließend wurde etwas Kompost eingebracht, danach wurden die Pflanzen entsprechend der vorher angefertigten Pflanzskizze gesetzt.

Gepflanzt wurde eine Mischung aus heimischen Wildstauden und Kulturpflanzen. Die Pflanzen sind mehrjährig, was den Pflegeaufwand verringert. Es wurden bewusst auch Kulturpflanzen gewählt, um durch das Wiedererkennen von Pflanzen die Akzeptanz des Beetes bei den übrigen Mietern zu erhöhen. Schließlich soll niemand behaupten können, dort werde Unkraut gezüchtet.

Außerdem wurden die Pflanzen so zusammengestellt, dass von März bis Oktober immer irgendetwas blüht. Das Spektrum der Blütenfarben reicht von weiß über rosa bis hin zu Blautönen. Verwendete Wildpflanzen sind z. B. Schnee- und Maiglöckchen, Akelei, Taubenkropfleimkraut, Berg- und Wiesenflockenblume. Die bereits vorhanden Ackerglockenblumen und die Päonie wurden, ebenso wie die Traubenhyazinthen und das Salomonssiegel, übernommen.

Bisherige Heimsuchungen auf diesem Teilstück waren:

•    Überfahren des Blumenbeets: Jemand ist mehrmals mit dem Auto durch das Blumenbeet gefahren. Also wurde die Fläche abgepollert. Den Leiter des Technischen Bestandsmanagements habe ich über das Warum der Maßnahme informiert. Er teilt meine Ansicht, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, Beete und Grünflächen mit einem Auto zu befahren.

•    Laubbläser: Die Grünflächenbearbeiter haben die Pflanzen mit dem Laubbläser traktiert. Dadurch sind viele Pflanzen abgeknickt. Ein Schreiben an den Leiter des Technischen Bestandsmanagements war hilfreich.

•    Kaninchen: Auch „Hoppel“ möchte nicht immer nur Schurrasen essen, sondern nimmt gerne einen Happen delikate Wildstaude. Außerdem buddeln die lieben Tiere gerne willkürlich Löcher in den Boden, wodurch einige Stauden entwurzelt wurden.

•    Giersch: In der Anfangszeit, kurz nach der Pflanzung, wurde der Giersch penibelst etwa im 2-Wochen-Rhythmus gejätet. Im Frühjahr 2015 wurde noch zweimal sorgfältig gejätet, danach war erst wieder eine Jätaktion Anfang September 2015 notwendig. Allerdings lauert der Giersch hinter dem Maschendrahtzaun zum Nachbargrundstück. Ständige Beobachtung ist also erforderlich!

•    Trockenheit: Frühjahr und Sommer 2015 waren extrem trocken. Konzept ist, dass das Beet ohne intensive Pflege Bestand hat. Ich habe ausnahmsweise mehrmals gegossen. Einige Pflanzen, die im Wurzelbereich von Bäumen gepflanzt waren, sind wegen der Trockenheit eingegangen. Hier war der Standort nicht gut gewählt.

•    Motorsensen: Die Grünflächenbearbeiter setzen sehr gerne Motorsensen ein. Diesen fielen die Staudenwicken, eine Nachviole und ein Teil der Flockenblumen zum Opfer. Die Pflanzen wurden gnadenlos abrasiert. Ein Gespräch mit dem Leiter der Gruppe hat hoffentlich die gewünschte Wirkung erzielt.

•    Beinwell: Um dem Giersch eine ebenso wüchsige Pflanze entgegen zu setzen, hatte ich ursprünglich auch Beinwell gepflanzt. Alle hatten mich davor gewarnt! Der Beinwell hat sich bedrohlich gut entwickelt, so dass ich ihn im September 2015 wieder ausgegraben habe. Hoffentlich erfolgreich, denn er wurzelt sehr, sehr tief. Den Teufel mit Beelzebub austreiben wollte ich eigentlich nicht.

Trotz dieser Widrigkeiten überwiegt die Freude an dem Beet. Bei den anderen Mietern ist die Aktion auch sehr gut angekommen. Sie haben begonnen, eigene Maßnahmen zur Verschönerung des Wohnumfelds zu ergreifen bzw. zu intensivieren (s. Fotos linke Spalte).

Neue Inspirationen lieferte im Frühjahr 2015 der vom BUND Frankfurt organisierte Vortrag von Dorothee Dernbach zum Thema „Naturnaher Garten“. Insbesondere der Teil zum Aufhübschen von Gierschflächen stieß bei mir auf reges Interesse. Frau Dernbach vertrat in ihrem Vortrag den Standpunkt, dass man Giersch oftmals nicht restlos beseitigen, die Fläche aber mit anderen Pflanzen durchaus beleben kann.

Für schattige Standorte nannte sie u. a.:

•    Kleines Immergrün (Vinca minor)
•    Klebriger Salbei (Salvia glutinosa)
•    Goldnessel (Lamium galeobdolon)
•    Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium)

Flugs wurden bei der Staudengärtnerei Strickler Stauden bestellt und in eine der verbliebenen Gierschflächen gepflanzt. Der Giersch war vorher abgerupft worden, damit die Stauden eine Entwicklungschance haben. Während des Sommers wurden die neu gepflanzten Stauden bei Trockenheit gegossen, bisweilen wurde auch der Giersch abgerupft.

Bis Anfang September 2015 hatte sich eigentlich nur der Klebrige Salbei zufriedenstellend entwickelt. Um die Bedingungen für die anderen Pflanzen zu verbessern, wurde auch hier in einer Hauruck-Aktion die Fläche zwecks Entfernen des Gierschs umgegraben. Die Wurzeln wurden allerdings nicht ganz so penibel beseitigt wie auf der ersten Fläche.

Bis auf den Klebrigen Salbei wurden alle anderen Pflanzen an günstigere Positionen gesetzt, der Beinwell wurde komplett entfernt. An dessen Stelle wurden Goldfelberich und Taglilien gepflanzt. Am BUND-Stand auf dem Rotlintstraßenfest 2015 war Gelber Fingerhut (Digitalis lutea) käuflich zu erwerben. Dieser ziert das Beet jetzt auch. Die Experimente werden fortgesetzt, denn: Versuch macht klug!



Das erste Beet

Das erste Beet nach der Giersch-Rodung im September 2014
Pflanzskizze
Im Dezember 2014 gesetzte Poller
Mai 2015: Nachtviolen in voller Blüte
Juni 2015: Ackerglockenblumen, Wiesenflockenblume und Taubenkropfleimkraut
September 2015: Stauden nach dem Rückschnitt
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