Nachhaltige Lebensmittel

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Die Debatte um Klimawandel und Treibhauseffekt hat die Nachfrage nach nachhaltig erzeugten Lebensmitteln hat sich hin zu einem globalen Trend entwickelt. Dass vom Acker bis zum Endverbraucher mehr als 50 Prozent der Nahrungsmittel – so Schätzungen – verloren gingen, sei nicht akzeptabel, mahnte der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG e.V.) auf einer Konferenz im Jahr 2010. Das Thema Nachhaltigkeit müsse auch als ein moralischer Wert begriffen werden. Doch was bedeutet „Nachhaltigkeit“ überhaupt?

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definierte „Nachhaltigkeit“ im sog. Brundtland-Bericht im Jahr 1987 wie folgt: „Nachhaltig ist eine dauerhafte Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.“ Die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit werden meist als drei Säulen dargestellt. Diese sind: ökologische Nachhaltigkeit, ökonomische Nachhaltigkeit und soziale Nachhaltigkeit. Wir müssen also schonend mit den natürlichen Ressourcen Wasser, Luft und Boden umgehen und der Natur nicht mehr Rohstoffe entnehmen, als nachwachsen können, damit auch die künftigen Generationen gut leben können und ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung haben. Neben das ökologischen Wirtschaften sind die Kriterien "fair und sozial" getreten. Die Vision ist die vollständige Kreislaufführung von Ressourcen in sozialer Gerechtigkeit und unter Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit.

Bio-Lebensmittel in Frankfurt-Rhein-Main

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Der Bio-Landbau trägt aktiv dazu bei, Ökosysteme und die Artenvielfalt zu erhalten, den Boden zu schützen, das Wasser sauber zu halten und die Klimabelastung durch die Landwirtschaft zu senken. Außerdem schafft Öko-Landbau Arbeitsplätze. Das Ziel unseres Projektes Bio-Lebensmittel in Frankfurt-Rhein-Main ist es, Ihnen lokale und regionale Erzeuger und Anbieter ökologischer Nahrungsmittel vorzustellen und Sie einzuladen, sich von Frische und Qualität einmal selbst zu überzeugen. Neben Bauernhöfen und Wochenmärkten stellen wir auch bequeme Einkaufsmöglichkeiten, wie z.B. das Bio-Kisten-Abonnement, vor. Klicken Sie sich einfach mal durch und werden Sie fündig!

Kontakt: geschaeftsstelle@bund-frankfurt.de

Nachhaltige Ernährung: Wie wir mit unseren Essgewohnheiten Klima, Wirtschaft und Soziales beeinflussen

„Du bist, was du isst!“- Dieser Satz bedeutet für viele zunächst einmal, dass die richtige Nahrung wichtig für unsere körperliche Fitness, unsere Gesunderhaltung und unser Wohlbefinden ist. Ernährung ist jedoch sehr viel mehr als das: Mit unserer Ernährungsweise, durch die Produktionsbedingungen, unter denen unsere Nahrung hergestellt wird und durch unser Konsumverhalten hat unsere Ernährung einen bedeutenden Einfluss auf die ökologische, ökonomische und soziale Gestaltung unserer Lebensumwelt – hier und anderswo in der Welt. Der Satz müsste deshalb besser lauten: „Du beeinflusst mit dem, was du isst!“

Ökologisch: Als Vegetarier aktiv Klimaschutz betreiben

Ein Fünftel des Primärenergieverbrauchs Deutschlands entfallen auf die Nahrungsmittelproduktion, u.a. bei der Erzeugung von Düngern und Pflanzenschutzmitteln, für Treibstoffe, bei Transport und Lagerung. Dabei werden auch große Mengen Emissionen freigesetzt. In Deutschland stammt rund die Hälfte der ernährungsbedingten Emissionen aus der Landwirtschaft, 44 % hiervon wiederum aus der Tierproduktion. Pro Person und Jahr entstehen so etwas mehr als 2 Tonnen klimarelevanter Gase – ein Wert, der mit dem der individuellen Mobilität „mithalten“ kann. Eine einfache Möglichkeit, diesen Ausstoß zu verringern: Fleisch und Wurtswaren vom Teller streichen. Allein durch vegetarische Lebensweise können die Treibhausgase jährlich um 40 % jährlich verringert werden (1).

Ökonomisch: Agrarexporte in die Länder des Südens führen zu Hunger – ein Paradox?

Derzeit gelangen rund 16 Prozent der deutschen Schweine- und Geflügelfleischexporte in Länder außerhalb der EU – bevorzugt in die sog. Entwicklungsländer. Geflügelfleisch schlägt sogar mit 31 Prozent zu Buche. Da wäre doch anzunehmen, dass unsere Überproduktion zu einer Stabilisierung der Ernährungslage in den Importländern führen müsse. Leider verhält es sich allerdings vollkommen gegenteilig. Die mit europäischen Steuergeldern finanzierten Hähnchenteile können in den Entwicklungsländern zu einem derart niedrigen Preis abgegeben werden, die deutlich unter den lokalen Marktpreisen liegen. In Folge sind die heimischen Bauern gezwungen, ihre Preise unter ihre Erzeugungskosten zu drücken. So wird der heimische Markt in diesen Ländern langfristig ausgehebelt, Bauern müssen ihre Tierproduktion aufgeben und verlieren damit ihre Eigenständigkeit. Die folgende Versorgungsknappheit und gestiegene Arbeitslosigkeit versuchen wir anschließend durch Finanzierungen aus der Entwicklungszusammenarbeit zu kompensieren. Den erzeugten Hunger bezahlen also auch wir gleich zweimal: einmal als Subventionen und ein zweites Mal als Entwicklungsfinanzierung. Ein paradoxer Kreislauf.

Sozial: Tomaten aus Spanien - ein Symbol für miserable Arbeitsbedingungen, soziale Isolation und Ausbeutung

In Almeria in Südspanien, einer kleinen Region in Andalusien, stehen beeindruckende Gewächshäuser für den Gemüseanbau. Auf rund 40.000 Hektar Fläche werden unter hohem Einsatz von Düngemitteln und Wasser Millionen Tonnen von Tomaten, Paprika und Co. produziert. Allerdings unter haarsträubenden Bedingungen: Geschätzte 110.000 Landarbeiter, darunter etwa 90.000 aus dem Ausland und wiederum ein Drittel illegal, erhalten für ihre harte Arbeit in den heißen Hallen nur etwa 37 € pro Tag (Mindestlohn in Spanien 44,50 €). Sie haben keine Sozialversicherung und organisieren sich mit meist mehr als 15 anderen Personen in kleinen Sozialwohnungen oder notdürftigen Behausungen neben den Gewächshäusern. Bei ihren Arbeiten sind sie meist ungeschützt: Pflanzenschutzmittel werden ohne entsprechende Schutzkleidung aufgebracht (3,4).

Die Beispiele sind alles andere als positiv. Deshalb gilt es auch, seinen Einfluss darauf wahrzunehmen und bewusst zu steuern. Durch sog. politischen oder strategischen Konsum können wir mitbestimmen, welche Nahrung unter welchen Bedingungen produziert wird und auf unseren Tischen landet. Schon einfache, kleine Schritte können viel bewegen, z.B.: 

  • vermehrt biologische Lebensmittel einkaufen (*),
  • regionale und saisonale Produkte den Vorrang gegenüber „eingeflogenen“ geben,
  • Tierproduktionsbetriebe mit regional erzeugtem Futtermittel unterstützen,
  • sich häufiger vegetarisch ernähren,
  • sich gegen Gentechnik stark machen,
  • im eigenen oder Gemeinschafts-Garten Ernte Obst und Gemüse anbauen,
  • lieber frisch und gering verarbeitete Nahrungsmittel verwenden,
  • auf umweltverträgliche Verpackungen achten sowie
  • Kaffee, Tee, Schokolade und Co. aus Fairem Handel beziehen.

Und vor allem eines: Das Essen wieder stärker genießen und die Gaumenfreuden schätzen!

(*) Und lassen Sie sich nicht täuschen: Der Preis für ökologisch erzeugte Nahrungsmittel ist durch deren bessere ökologische Bilanz und den intensiveren Personaleinsatz mehr als gerechtfertigt. Konventionelle Lebensmittel sind einfach „zu billig, um wahr zu sein“. – Würde man die  ökologischen und gesellschaftlichen (externen) Kosten des konventionellen Anbaus  im Marktpreis berücksichtigen, wären diese Produkte sogar vergleichsweise teurer als ökologisch erzeugte (5).

Quellen

  1. Enquete-Kommission »Schutz der Erdatmosphäre (1992): Klimaänderung gefährdet globale Entwicklung – Zukunft sichern, jetzt handeln, Bonn, Economica.
  2. BUND (2012): Besser leben - zu Bio wechseln.
  3. BUND (2011): Subventionen für die industrielle Fleischerzeugung in Deutschland. BUND-Recherche zur staatlichen Förderung der Schweine- und Geflügelproduktion in den Jahren 2008 und 2009, BUND-Recherche, Berlin.
  4. DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. ) 2010. DLG-Lebensmitteltage: Nachhaltigkeit - die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft. URL: http://www.dlg.org/aktuelles_ernaehrung.html?detail/dlg.org/4/1/3799 (abgerufen am 09.08.2013)
  5. http://www.monde-diplomatique.de/pm/2010/03/12.mondeText.artikel,a0060.idx,20
  6. Rat für Nachhaltige Entwicklung [Hrsg.] 2012. Der nachhaltige Warenkorb. 4. Aufl.
  7. Wagenhofer, e. (2005): We feed the world, Film, Österreich.
  8. Von Koerber, Karl (2006): Ernährung nach den vier Dimensionen. Ernährung & Medizin 2006, 21: 178–185.