BUND-Schafe in der Schwanheimer Düne erhielten jährliche Schur


"Nein, wir kommen nicht vom Schau-Scheren!" Der junge Mann ist genervt. Kaum ist er mit seinem Jack-Russel-Terrier aus der Schwanheimer Düne auf den Höchster Weg getreten, bekommt er diese Frage ständig zu hören. Hunde brauchten am vergangenen Sonntag auch wirklich nicht um ihr Fell zu bangen, denn Schafscherer Hüstegge und seine beiden Helfer packten nur bei den 400 Heidschnucken zu, die derzeit, noch etwa 8 Wochen, das Gras des Naturschutzgebietes Schwanheimer Düne kurz halten. Viel Gegenwehr gab es nicht, als die muskelbepackten Männer mit ihren Schermaschinen durch das dichte Fell fuhren. Anschließend suchten die Tiere schleunigst den Weg in den Schatten.

 




Zum Scheren werden geschorene und ungeschorene Schafe zusammen gepfercht, das erleichtert das stressfreie Herausfangen.


Der Führer der Scherkolonne hat viele Fragen zu beantworten.

 

Sie können nach der Schur nämlich einen Sonnenbrand bekommen, erläuterte Schäfer Kay Fahlbusch das Verhalten der ihm anvertrauten Mäher. Aus der jährlich fälligen Schur hatte der BUND als Besitzer der Schnuckenherde eine öffentliche Aktion gemacht, um die Schafbeweidung der Düne und die Arbeit der Naturschützer dort publik zu machen. Vor allem Familien zog es per Fahrrad in die Düne.

 




Die Haare der Schnuckenwolle sind zum Verarbeiten zu kurzfaserig. Die Wolle wird als Füllstoff für Kuscheltiere, als ökologisches Dämmmaterial und als Bodenverbesserer im ökologischen Landbau erwendet.



Mitglieder des BUND bieten Lammbockwürstchen, Ökobier und Saft aus dem Obst des Naturschutzgebietes an, Kaffee und selbstgebackener Kuchen dürfen nicht fehlen!


Belohnt wurde die Tour mit Getränken, Kuchen und Schafswurst. Wenn einer der Anwesenden beim Anblick der Schafbockwürste feststellte: Wie in der DDR!, so war das durchaus anerkennend gemeint, denn ganz offensichtlich fehlten dieser Wurst Zusätze wie Farbstoffe, die ja in der DDR verboten waren. Plaudereien aus der DDR gab es während der Scher-Pausen auch mit Schafscherer Hüstegge, der, wie die meisten Vertreter seines Berufes, von dort stammt.

 

Während der Scher-Hochsaison reist Hüstegge bundesweit mit seinen Schermaschinen von Herde zu Herde und befreit die Tiere von ihrer dichten Wolle. Erstaunt erfuhren die Umstehenden, dass allein der Scherkopf einer solchen Maschine etwa 600 Euro kostet und die Wolle der BUND-Schnucken, die sich hinter den Scherern stapelte, zur Weiterverarbeitung nicht tauglich ist - zu derb, wie Schäfer Fahlbusch erklärte.






Die Weiße Hornlose Moorschnucke steht auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen - ungeschoren.



Die Lämmer werden erst im zweiten Jahr geschoren. Scheren ist nicht nur für die Scherer anstrengend



Ebenso sind die Tiere, die die Schwanheimer Düne beweiden, keine ergiebigen Fleisch- oder Milchlieferanten. Diese Rasse kommt dafür bestens mit dem mageren Gras dieser Örtlichkeit über die Runden. Ein gestandenes Fleisch-Schaf würde hier glatt verhungern, zeigte der Schäfer die Vorteile seiner Tiere auf. Gelegentliche Schlachtung und Weiterverarbeitung erledigt er daher selbst.

 

 

Projektbeschreibung: Die BUND-Schnuckenherde, pdf-Datei zum Download, 150 KB


© 2007 BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. Frankfurt am Main

TOP