Übern Gartenzaun geguckt 2
 |  | 
 Flutmulde an der Mündung des Dottenfeldgrabens in der ersten Bauphase im letzten Winter - mittlerweile ist der Bereich vollkommen eingegrünt.
|  | 
|
Renaturierung ist die Nahtstelle zwischen ökologischem Wasserbau, präventivem Hochwasser- und Naturschutz. Und wie das praktisch funktioniert vermittelte ein Tagesseminar der GFG im September in Gronau an der Nidda. Nach einem "theoretischen" Vormittag mit Vorträgen und Diskussionen mit Dr. Thomas Paulus, Dr. Hansgeorg Jehner von der Gerty-Strohm-Stiftung, die die Baumaßnahme mitfinanziert und weiteren Wasser-Experten ging es dann ins Gelände, vom Nidda-Knie bis zum Gronauer Hof.
Der Gewässerökologe Gottfried Lehr führte und informierte über dieses Riesenprojekt zwischen Nidda und Nidder. Da wurde als wohl wichtigste Maßnahme der die Nidda einzwängende Uferdeich wieder weit vom Fluss zurückversetzt, wodurch große Retentionsräume und eine durch Mäandrierung Verlängerung des Flusslaufes entstanden. Nach dem Motto "was oben bleibt, kommt unten nicht oder wenigstens nicht so schnell an.
Da kann das Hochwasser sich prächtig verweilen, wobei eine Maßnahme dieser Dimension für die Stadt Frankfurt mangels Platz wohl immer Zukunftsmusik bleiben wird.
Durch die neu geschaffenen Lebensräume haben sich mittlerweile viele ans Wasser gebundene Tier- und Pflanzenarten wieder angesiedelt. Selten gewordene Vogelarten wie der Kiebitz, der Flussregenpfeifer und der –uferläufer finden hier wieder einen Lebensraum. Auch der Biber ist in der Wetterau wieder heimisch geworden und ist in Richtung Südwesten schon bis zur Niddermündung bei Gronau vorgedrungen – leider aber auch amerikanische Neozoen wie Mink und Waschbär.
Auch neue Gewässerstrukturen wurden angelegt, damit in naher Zukunft auch die Europäische Sumpfschildkröte wieder angesiedelt werden kann.
Richard Schmidt

Über den Gartenzaun geschaut 1
Für den AK-Wasser des BUND-KV-Frankfurt kann mit der kommunalen Grenze zur Wetterau nicht einfach Schluß sein. Die Nidda soll renaturiert werden, wo oder wenn es möglich ist, von der Quelle bis zur Mündung. Dann ist das Natur- und Hochwasserschutz zugleich.
So hat man vor ein paar Jahren schon den Niddadeich im Bereich von Flor- und Ilbenstadt erheblich zurückgesetzt und damit eine sehr große Retentionsfläche für den Fluß geschaffen. Projekte von solchen Ausmaßen sind natürlich im Bereich der Stadt Frankfurt gar nicht möglich – zu eng ist das Flüsschen in ein Deichkorsett eingezwängt und viel zu dicht geht die Wohnbebauung an beide Ufer.
Und so freut man sich wenigstens darüber, dass nun ein nächstes Projekt im südwestlichen Wetteraubereich in Angriff genommen worden ist: zwischen Dortelweil und Gronau. Auf einer Länge von etwa drei Kilometern soll die Flusslandschaft ganz neu gestaltet werden. Die Pläne dazu wurden von einer Wasserwirtschaftsgesellschaft und dem Bad Vilbeler Gewässerökologen Gottfried Lehr ausgearbeitet und sehen eine Reihe von Kiesbänken, Altarmen und Inseln vor. Teile der Niddaaue werden so zu einem natürlichen Überflutungsgebiet.
Viele Tierarten sollen hier wieder einen neuen Lebensraum finden, so der Eisvogel, der Weißstorch, der Kiebitz und die seltene Rohrweihe. Aber auch der sich in Hessen wieder ausbreitende Biber soll sich wieder ansiedeln können – ein Tier wurde unlängst schon in der Nidder beobachtet. Finanziert wurde die Maßnahme von der Stadt Bad Vilbel und der Gerty-Strohm-Stiftung, die sich u. a. explizit für die Nidda-Renaturierung einsetzt.
Richard Schmidt

Wasserschau an der Nidda
Frankfurter Westen. „Im Westen nichts Neues” resümieren Erik Bagus und Thomas Andres von der Unteren Wasserbehörde zum ersten Gang der Wasserschau entlang der Nidda, von Höchst bis Hausen.
Diese Wasserschau ist alljährlich gesetzlich vorgeschrieben und die Teilnehmer kommen auch von der Unteren Naturschutzbehörde, der Stadtentwässerung und den Umweltverbänden. Von den Schäden durch das Hochwasser ist wenig zu sehen, lediglich ein Fernseher ragt aus dem Flussbett und wurde gleich entsorgt.
Deichbeschädigungen, illegale Wasserentnahmen oder sonstige wesentlich Beanstandungen: Fehlanzeige. Dafür hat aber der letzte heftige Sturm ordentliche Arbeit geleistet. Riesige Äste der nicht mehr ganz so stabilen Pappeln sind runtergebrochen, und Bäume mit mehr als einem Meter Stammdurchmesser sind von der Stadtentwässerung sicherheitshalber gleich gefällt worden. Aber zum Ausgleich wurden schon standortgerechtere Bäume nachgepflanzt.
Die Wasserqualität wurde diesmal nicht getestet; sie liegt aber sowohl in der hygienischen als auch in der biologischen Wertung um einen kritisch belasteten Zustand. Grund sind überwiegend Fäkalkeime aus den anliegenden Klärwerken. Was die Nidda mit ihren Altarmen und zufließenden Bächen trotzdem so wertvoll für Frankfurt macht, das ist die reiche Vogelwelt, die an diesem Morgen zu sehen und zu hören war: Grünspecht, Graureiher, Nilgans, Reiherente und Haubentaucher. Auch ein einsamer Kormoran flog entlang des Flusses, aber dieser Spezi hat ja momentan sowieso keine besonders guten Karten.
Richard Schmidt

Die Nidda
Hinter Bad Vilbel fließt die Nidda ausschließlich durch das Stadtgebiet von Frankfurt. Hier sind es dann besonders die Altarme, die die Rudimente einer einstmals intakten Auenlandschaft trotzdem noch wertvoll machen.
Gleich bei Harheim gibt es eine Riedfläche, die die Stadt noch als Naturschutzgebiet ausweisen wird, da sie weniger als fünf Hektar groß ist. Über fünf Hektar würde das über den RP gehen, und entsprechend länger dauern. Dennoch gibt es im "Harheimer Ried" Probleme mit Sickerwasser aus den direkt angrenzenden Bad Vilbeler Gemüsefeldern.
Eine größere Renaturierungsmaßnahme war der Berkersheimer Bogen, wo das Gewässer jetzt wieder frei fließen kann, und wo das Stadtentwässerungsamt Inseln und Sandbänke modelliert hat. Nur wenige Pflanzen wurden hier eingesetzt, denn man wollte die natürliche Sukzession beobachten.
Drei Kilometer flussabwärts sollen die Altarme bei Bonames wieder an den Fluß angebunden werden. Hier mündet auch der Kalbach in einen Altarm und westlich davon liegt der ehemalige US-Hubschrauberlandeplatz. Diese Beton-Landebahn wurde in den letzten Jahren aufgebrochen, und dann hat sich hier innerhalb des Frankfurter GrünGürtels eine sehr eigene Landschaft gebildet. Dies ist z.B. für den Steinschmätzer ideal, und der Naturschützer und Einzelkämpfer Ingolf Grabow hat da maßgebend dazu beigetragen. Durch die teilweise Vernässung des Areals ist hier ein zusätzlicher Lebensraum für Amphibien entstanden.
Flußabwärts liegt das Naturschutzgebiet "Riedwiese", in dem die seltene Beutelmeise seit Jahren wieder brütet. Auch hier sollen die folgenden Altarme wieder an das Flussbett angeschlossen und die Mündung des Urselbaches naturnah zurückgebaut werden.
Hinter der Autobahn 66 kommt der erste Teil der Wehrstudie, die die WRRL der EU vorschreibt, zum Tragen. Denn die drei untersten Wehre von Rödelheim, Sossenheim und Höchst werden in den nächsten Jahren abgebaut und jeweils durch eine "Rauhe Rampe" und ein Umleitungsgerinne ersetzt. Dazu gehörige Flutmulden dienen dann überwiegend der Hochwasser-Rückhaltung und als Biotop für Teile der Gewässer-Fauna. Mit diesen Maßnahmen können dann Fische wieder durchgehend (in etwa zehn Jahren) bis zum Quellbereich gelangen.
Während der Westerbach bei Frankfurt-Rödelheim in seinem steilen Beton-Profil noch in einem katastrophalen Zustand ist, ist der Sulzbach schon weitgehend renaturiert, und sogar Bachforellen haben darin längst wieder ihren angestammten Lebensraum gefunden.
Dazwischen liegt das letzte Auwald-Relikt von Frankfurt: der Niedwald. Eine kleine künstliche Insel an der Alten Brücke in Nied strukturiert das kanal-ähnliche Aussehen des Flusses wenigstens ein bischen. Die südwestlich angrenzende "Wörthspitze" mit ihren großen Wiesen ist bereits Überschwemmungsgebiet von Main und Nidda. An den drei festliegenden Schiffen, den "Klongs von Höchst" mündet die Nidda in den Main. Viele seltene Vogelarten, wie den Hauben- und den Zwergtaucher oder die Reiherente kann man hier leicht beobachten. Auch die eingewanderte Nilgans ist hier sehr häufig zu sehen.
Das Buch "Die Nidda" mit vielen Informationen, Geschichten und Anekdoten hat der Journalist und Schriftsteller Frank Gotta im Frankfurter Societäts-Verlag veröffentlicht. Eine empfehlenswerte Lektüre.
Richard Schmidt

Biber im Unterlauf der Nidda
Seit mehr als zehn Jahren sind wieder Biber in Hessen heimisch, aber nur im Wilden Osten, an der Grenze zum Freistaat Bayern. Auf der Suche nach neuen Revieren breiteten sich die Jungtiere aber bereits bis zur Fulda, zur Kinzig und zur Nidder (südliche Wetterau) aus. Auch bei Florstadt wurde ein Exemplar in der Nidda gesichtet.
Aber spätestens bei bebauungs-hochverdichteten Stadtteilen wie Rödelheim oder Eschersheim ist da Ende der Fahnenstange. Und doch soll sich ein Objekt unseres größten Nagers in den Altarmen im Niedwald herumtreiben. Gerhard Koltonowski hat ihn auch noch fotografiert. Aber auf dem Bild handelte es sich um das stattliche Exemplar einer Bisamratte, ein im letzten Jahrhundert eingebürgertes Pelztier aus Amerika. Doch eine gewisse Verwechslungsgefahr ist schon gegeben, da auch die Bisamratte, die trotz ihres Namens zu den Wühlmäusen zählt, über einen halben Meter lang werden kann. Auch ihre Lebensweise ähnelt der des Bibers, und in der amerikanischen Indianer-Mythologie ist der Bisam ja auch "der kleine Bruder des Bibers".
Aber manchmal machen die Tiere durch ihre fleißige Grabtätigkeit ziemliche Schäden an den Niddadeichen, und dann bekommen sie vom Stadtentwässerungsamt immer wieder mal ganz gehörig den Marsch geblasen. Und dann hat noch vor vielen Jahren der FNP-Fotograf Rudi Goebel nach mehreren Meldungen von Spaziergängern und Anglern stundenlang mit der Kamera auf nächtlicher Lauer gelegen. Ergebnis: nur eine "normale" Wasserratte zwischen den Hausbooten an der Niddamündung.
Richard Schmidt 
|